Liebe Leserinnen und Leser,

die Rubrik "Geschichte & Geschichten" soll mit historischen, liebenswerten, skurrilen Geschichten aus den Ortsteilen Röttgen und Ückesdorf unterhalten. Den Anfang hat Stefan Zimmermann mit der Lebensgeschichte Hubert Maurers gemacht. Wenn auch Sie etwas über die Historie, alte Gebäude, längst vergessene Traditionen, Kriminalfälle, Skurriles aus dem Ort, oder einfach nur über ihren Lieblingsplatz in und um unsere beiden Ortsteile in Wort oder Bild zu berichten haben, nutzen Sie das Kontaktformular und melden Sie sich bei mir. Alle, vom Kind bis zum Rentner, können sich beteiligen und Ihr Röttgen/Ückesdorf vorstellen. Wer mag kann mir auch gern einen selbst verfassten Text zukommen lassen. Keine Angst, es muss nicht immer so lang und ausführlich sein wie die Geschichte von Hubert Maurer - kurz und knackig geht auch!  Ich bin gespannt und freue mich auf Ihre Geschichten.

Adler, Falke & Co - Die Könige der Lüfte zu Besuch im RAN!

Gleich hebt er ab, der Weißkopfseeadler von Falkner Pierre Schmidt aus Erftstadt-Gymnich
Gleich hebt er ab, der Weißkopfseeadler von Falkner Pierre Schmidt aus Erftstadt-Gymnich

Aufgeregt warten die Kinder im RAN! auf das Highlight der ihres Ferienprogramms in der zweiten Sommerferienwoche. Immer wieder schauen sie aus dem Fenster, um zu sehen, ob Falkner Pierre Schmidt mit seinen

Greifvögeln und Eulen nicht doch schon da ist. Endlich ist es soweit der Falkner aus Erftstadt-Gymnich biegt mit seinem Auto auf den Parkplatz des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums ab und entlädt die komfortablen Transportkisten mit ihrer außergewöhnlichen Fracht. Fünf prächtige Vögel kommen zum Vorschein: ein Sibirischer Uhu, eine Schnee-Eule, ein weißer Falke sowie ein dunkler Wüstenfalke und ein Weißkopfseeadler.

 

Neugierig aber mit dem nötigen Respekt nähern sich die Kinder den Vögeln. Bevor es mit der Flugshow losgeht, stellt der Greifvogel-Experte seine mitgebrachten Exemplare den Kindern vor. Dann startet die 2,5 stündige Flugshow vor den Türen des RAN!. Ganz aus der Nähe konnten die Kinder den Flug der Tiere beobachten und sogar den Flügelschlag des Weißkopfseeadlers, dessen Flügelspannweite der eines ausgewachsenen Mannes von ca. 1,90 Meter (bis max. 2,40 Meter) entspricht, dicht über ihren Köpfen zu spüren. Und es kam noch besser: Jedes der Kinder durfte sich den ledernen Falknerhandschuh überstreifen, einen der Greifvögel auf die Hand nehmen und ihn selbst unter Anleitung des Falkners fliegen lassen.

 

Zwischendurch macht Falkner Pierre Schmidt immer wieder auf die Besonderheiten der unterschiedlichen Vögel aufmerksam, und lädt die Kinder bei einem Frage-Antwort-Spiel ein, ihr Wissen zu demonstrieren. Und die Kinder sind bestens vorbereitet. Sie können die Tiere nicht nur richtig benennen, sie wissen auch sonst genau Bescheid. Fachkundig benennen sie das Gefieder der Vögel mit Hand- und Armschwingen, Mantel, Steuerfedern und Unterschwanzfedern. Dass der für Greifvögel typische Hakenschnabel je nach Vogelart eine gefährliche Biss- bzw. Tötungswaffe ist, mit dem die Tiere zudem ihre Beute zerkleinern, wissen sie natürlich auch. Immerhin haben sie sich drei Tage lang intensiv mit dem Thema Greifvögel und Eulen befasst. „Uns ist es wichtig, die Kinder während des Ferienprogramms sinnvoll zu beschäftigen“, sagt die Leiterin des RAN! Vera Goßmann. So sahen sich die Kinder im RAN! gemeinsam Filme an, die das Leben der Eulen und Greifvögel in freier Wildbahn zeigten, erfuhren u.a. aus Büchern interessantes über die Konstruktion und Flugfähigkeiten der Vögel, beschäftigten sich mit ihrer Nahrung, dem Nestbau und der Aufzucht der Jungtiere. Sogar über die Vormachtstellung des Falken als Jagdtier deutscher Könige und als

Familienmitglied arabischer Scheichs erfuhren sie Kurioses und Erstaunliches.

 

Dennoch fallen den Kindern während der Flugdarbietung immer wieder neue Fragen ein: Was wiegt ein Weißkopfseeadler und wie groß ist seine Flügelspannweite? Warum kann der Uhu den Kopf soweit drehen? Pierre Schmidt ist begeistert von der Neugier und den vielen „gescheiten Fragen“, die er bereitwillig und anschaulich beantwortet.

 

„Der heutige Tag hat mir am besten gefallen, aber auch die Filmdokumentation, die wir gemeinsam im RAN! geguckt haben, war toll“, schwärmen die meisten Kinder übereinstimmend. Der international bekannte Falkner ließ sich zwei Jahre lang von einem Kamerateam bei der Arbeit mit seinen Falken begleiten – heraus kam ein ebenso lehrreicher wie beeindruckender Film. Neben den Greifvögeln und Eulen avancierte auch Falkner Pierre Schmidt, der sich seit vielen Jahren auch aktiv für den Greifvogel- und Artenschutz einsetzt, bei den Kindern zum Star des Tages. Ganz Profi, signierte er dann auch die von den Kindern gestalteten „Bücher“, in denen sie Wissenswertes und Interessantes über ihren Lieblingsvogel festgehalten hatten.

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Blick in die Kinderstube des Seidenraupenfalters

Rolf Stiemerling aus Röttgen hat ein ungewöhnliches Hobby. Sein Steckenpferd ist der Bombyx mori besser bekannt unter dem Namen Maulbeerspinner. Schon von Kindesbeinen an befasst sich der promovierte Biologe mit diesem unscheinbaren Falter, dessen Raupen das Rohmaterial für die edelsten Seidenstoffe liefern. Nun hat er seinen Traum, selbst einmal Seidenraupen zu züchten und live zu beobachten wahr gemacht.

 

250 Eier hatte sich Rolf Stiemerling eigens in Frankreich bestellt, aus denen am 21. Juni die ersten Seidenraupen schlüpften. Seither herrscht beim Ehepaar Stiemerling-Wickert in Röttgen das große Fressen. In einer kleinen mit Küchenpapier ausgelegten Holzkiste recken die winzigen Raupen auf der Suche nach Futter ihre Köpfe in die Luft.

 

Unablässig schaffen Rolf Stiemerling und seine Frau Käthe Wickert Blätter für ihre heißhungrigen und äußerst wählerischen Gäste heran. „Die Raupen mögen nur die Blätter des Maulbeerbaums (Morus alba), je zarter desto besser –zumindest in den ersten Tagen“, erklärt der frischgebackene Ziehvater. Zwar fressen die Raupen auch nach der ersten Häutung am liebsten junges Blattgrün, machen sich aber dann mit ihren nunmehr kräftigeren Fresswerkzeugen den Mandibeln auch über die älteren Blätter her. Alle zwei bis drei Stunden brauchen die beigefarbenen Raupen frisches Futter. „Bis zur Verpuppung frisst allein eine Raupe circa 30 Gramm Maulbeerblätter“, erzählt Stiemerling. Das hört sich zwar nicht viel an, bei einer durchschnittlichen Schlupfrate von 97 Prozent muss das Ehepaar jedoch rund 242 Raupen 35 Tage lang durchfüttern. Etwa 7,5 Kilogramm Maulbeerblätter werden bei Stiemerling-Wickerts also insgesamt über den Tisch gehen oder anders ausgedrückt in der Raupenkiste landen. Aber der Experte für Seidenspinnerraupen ist vorbereitet: Schon 2011 sammelte er Samen aus einer Maulbeerbaumhecke am Küdinghovener Friedhof, die ein Relikt aus den 1930er Jahren ist und säte ihn im heimischen Garten aus. Acht gut belaubte Bäumchen dienen jetzt als Futterlieferanten. Ob die aber für seine nimmersatten Kostgänger reichen ist fraglich. „So ein Blatt wiegt ja nicht viel, da muss schon eine Menge Blattmasse zusammenkommen, damit die Raupen satt werden“, sagt Stiemerling. Auch für diesen Fall hat der Rentner vorgesorgt. Zum Glück konnte er schon damals einen Nachbarn für seine kleine Seidenraupenzucht gewinnen, der sich prompt bereit erklärte ebenfalls einige Maulbeerbäume in seinem Garten zu pflanzen.

Rund 5 bis 6 Jahre hat es gedauert bis aus den winzigen Samen des Maul-beerbaums (Morus alba) diese Bäumchen geworden sind (s.u.).

Die Blätter des Maulbeerbaums dienen als Futterlieferant.

Kaum zu glauben: dies alles sind Blätter von ein und demselben Maulbeerbaum. Die große Variationsbreite in der Blattform ist charakteristisch für den Maulbeerbaum.


Vom Ei zum Falter

Das Wohnzimmer der Stiemerling-Wickerts gleicht einem Forschungslabor. Bei angenehmen Temperaturen um die 20 Grad wohnen die Raupen gut geschützt vor direkter Sonneneinstrahlung in einer Holzkiste unter der Fensterbank. Auf dem Esstisch ist das Mikroskop des Biologen aufgebaut, daneben liegen ein Lineal eine Pinzette und ein Notizbuch, in dem Stiemerling akribisch alle Veränderungen seiner temporären Mitbewohner dokumentiert: Veränderungen an den Eiern und Schlupftage der Raupen, Größe der Raupen, Farbe, Futterrationen, eventuelle Sterberate etc.

 

Nach wenigen Tagen beobachten er und seine Frau wie aus den bleigrauen bis grünlich schimmernden und stecknadelkopf-großen Eiern ca. drei Millimeter große Raupen schlüpfen. Innerhalb von nur neun Tagen wuchsen die Raupen der Stiemerling-Wickerts um das Vierfache auf eine Länge von 13 Millimeter und legten auch deutlich an Umfang zu. „Wenn es so weiter geht werden die Raupen dank ihrer ungeheuren Fresslust innerhalb 35 bis 40 Tagen zu einer Länge von 9 bis 10 Zentimetern heranwachsen, was in etwa der Länge eines Zeige- bzw. Mittelfingers entspricht. In dieser Zeit nehmen sie das 10 000fache an Gewicht zu und häuten sich viermal“, beschreibt Stiemerling die weitere Entwicklung der Tiere. Sorge, dass die Raupen ihre Kiste verlassen und durchs heimische Wohnzimmer kriechen könnten, hat er nicht. „Die Tierchen sind genauso propper wie bequem; solange man ihnen genügend Futter serviert, sehen sie keine Veranlassung sich auf den Weg zu machen.“

Auch Käthe Wickert riskiert einen Blick in die Kinderstube der Raupen
Auch Käthe Wickert riskiert einen Blick in die Kinderstube der Raupen

Erst kurz vor der Verpuppung, wenn die Raupen ausgewachsen und satt sind, suchen sie sich einen geeigneten Platz, um ihren Kokon zu spinnen. Hierzu steht bereits ein kleines Geäst bei

Stiemerling-Wickerts bereit, in dem sich die Raupen ein geeignetes Plätzchen suchen können. Aus den fertigen Kokons schlüpfen nach einer 16-tägigen Metamorphose aus den Puppen weiß-graue, flugunfähige Nachtfalter, die nach der Paarung und Eiablage innerhalb von 48 Stunden sterben. Ein Weibchen legt 300 bis 500 Eier ab, deren weitere Entwicklung erst nach einer 10 monatigen Ruhephase (Winterpause) einsetzt.

 

In der Seidenraupenzucht lässt man jedoch nur so viele Falter schlüpfen, wie zur Weiterzucht benötigt werden. Für die Seidengewinnung wird die Weiterentwicklung der Tiere durch das Eintauchen der Kokons in heißes Wasser gestoppt. Denn nur aus intakten Kokons kann der begehrte lange Faden für die technische Weiterverarbeitung gewonnen werden.

 

10 000 Kokons für ein Seidenkleid

Den für die Seidenproduktion wertvollen Kokon spinnen die Raupen aus zwei gefüllten Seidendrüsen, die ca. 40 Prozent des Gesamtkörpergewichts der Raupe ausmachen. Aus dem Sekret der beiden Drüsen werden zwei hauchdünne Fädchen, die in der Spinnwarze an der Unterlippe der Raupe mit Seidenleim umhüllt werden und

beim Austritt an die Luft zu einem einzigen Seidenfaden verkleben.

 

Ein Kokon liefert einen bis zu 1000 Meter langen Faden. Mit nur drei Kokons ließe sich demnach ein seidenes Fädchen von Röttgen bis Ückesdorf spannen. Allerdings müssen rund 8 Seidenfädchen verzwirbelt werden, um einen stabilen Faden für die industrielle Weiterberarbeitung zu erhalten. Allein für die Herstellung eines Seidenkleides werden rund 10 000 Kokons benötigt.

Hier nur ein kleiner Teil von Stiemerlings Bibliothek. Historische und neuere Literatur rund um die Seidenraupe und deren edle Spinnerei hat er im Laufe der Jahre gesammelt und archiviert.
Hier nur ein kleiner Teil von Stiemerlings Bibliothek. Historische und neuere Literatur rund um die Seidenraupe und deren edle Spinnerei hat er im Laufe der Jahre gesammelt und archiviert.

Faszination Seide

Wie aber kommt Rolf Stiemerling zu so einem seltsamen Steckenpferd? Ist es Forschergeist, ein Faible für Kreaturen, denen andere eher mit Abscheu begegnen oder einfach nur reiner Zufall? Etwas von allem, meint er. Das Interesse an den Maulbeerspinnern sei zudem schon in frühen Jugendjahren geweckt worden. Aufgewachsen in der „Samt- und Seidenstadt“ Krefeld, seien ihm erste Berührungspunkte mit der Seidenfabrikation quasi in die Wiege gelegt worden, zumal auch seine Vorfahren in der Seidenproduktion und –gewinnung tätig gewesen sein. So weiß er von seinem Vater, dass dieser während der Nazizeit in der Seidenraupenzucht tätig gewesen sei. „Allerdings durfte ich als Kind nie einen Blick in die Zuchtstation werfen. Die Erzählungen über den Maulbeerspinner übten eine Faszination auf mich aus, die bis zum heutigen Tag erhalten ist.“ Dabei reicht das Interesse des Rentners weit über die Biologie des Maulbeerspinners hinaus: Die Seidenraupenzucht, die Geschichte des Seidenraupenfalters, die Seidenproduktion sowie die vielseitige Nutzung von Naturseide -Stiemerling bringt geballtes Wissen sowie eine umfangreiche Bibliothek rund um den Seidenraupenfalter mit.

 

Seit 5000 Jahren wird der Maulbeerspinner vorwiegend in China und Ostindien gezüchtet, erst um 500 nach Christus hielt der Einzug in Europa. „Friedrich der Große ließ im 18. Jahrhundert verstärkt Maulbeerbäume in Deutschland anbauen, Schul- und Kirchhöfe sowie Straßenränder wurden bevorzugt bepflanzt. Selbstversorgung in Sachen Seidenproduktion schwebte dem König vor. Doch diese Initiativen erwiesen sich zumindest für die Produktion von Naturseide als Flop. Eine Wiederholung der königlichen Idee organisierte das  Nazi-Regime. In den 30iger Jahren dieses Jahrhunderts stand erneut die Autarkie diesmal bei der Versorgung mit Fallschirmseide im Vordergrund“, erzählt Stiemerling. Insbesondere Schulen seien um 1940 zum Anbau von Maulbeerbäumen und der Zucht von Seidenraupen angehalten worden, um dem Führer in der Erzeugerschlacht beizustehen. Rund 140 000 Fallschirme habe man damals sogar hergestellt, in Wahrheit aber sei der Seidenraupenanbau eine reine Beschäftigungsmaßnahme für die zahlreichen Arbeitslosen sowie eine ideale Möglichkeit zur Verbreitung und Festigung von Hitlers Rassentheorie in den Schulen gewesen. Stiemerlings Repertoire an Geschichten und Kuriositäten, die sich rund um den Maulbeerspinner ranken, scheint schier unerschöpflich und ist niemals langweilig.

 

Seidenspinner zum "Aufkleben"


Briefmarken aus aller Welt - Zeichen der Wertschätzung für eine Raupe, die das Rohmaterial für die edelsten und vielseitigen Stoffe liefert.

Nebenbei ist der Rentner leidenschaftlicher Philatelist. Natürlich ist auch dieses Hobby eng mit den Seidenraupen verknüpft. Denn in seinem Album haben nur Briefmarken mit Seidenspinnern Lande-erlaubnis. „Bis auf eine Briefmarke findet sich in meinem Album alles, was je an Briefmarken über den Seidenanbau herausgekommen ist.“ Sein Briefmarkenalbum, das Stiemerling mit interessanten Textpassagen zum Thema versehen hat, wurde vor einigen Jahren sogar im Krefelder „Haus der Seidenkultur“ ausgestellt.

 

Wie es bei Stiemerling-Wickerts weitergeht

Zurück ins Röttgener Raupenquartier: Was macht Rolf Stiemerling, sobald sich alle Raupen in ihrem Kokon verpuppt haben? Wird eine neue Generation in die Kinderstube einziehen? „Nein“, sagt er. „Nachdem ich mich so viele Jahre mit diesen Tieren beschäftigt habe, wollte ich sie einmal live und in Farbe erleben und studieren. Eine Zucht aufzubauen, war nie mein Ziel, das ist einfach zu aufwendig.“ Einige Falter werden wohl schlüpfen und Eier ablegen dürfen, ausgebrütet werden sie jedoch nicht. Dennoch wird Bombyx mori nicht aus dem Haus der Stiemerling-Wickerts verschwinden. Malerin Käthe Wickert, die übrigens auch Mitglied im Arbeitskreis „Bildende Kunst“ ist, hat schon einige Ideen, wie sie die Kokons künstlerisch verarbeiten könnte.

 

Detaillierte Informationen zum Thema erhalten alle Interessierten beim Ehepaar Stiemerling-Wickert unter Tel.: 0228-255 210.

 

 

 
  Textfeld: Seide, so vielseitig wie kaum ein anderer Stoff Einige Anwendungsgebiete: • Seide schmeichelt als: Dessous, Seidenstrümpfe, Kleider, Kissen, Bettwäsche, Schleier, Krawatten etc. • Seide als Statussymbol für: Gewänder, Wimpel • Seide als technisches Gewebe: Schreibmaschinenfarbbänder, Fallschirme, Nähgarn, Lampenschirme, in Getreidemühlen als Mehlsiebe, als Pulverkartuschbeutel bei der Artillerie, bei den Pionieren der Flieger als Flügelbespannung (leicht und haltbar), Ballonhüllen, Angelschnüre, Fischer- und Planktonnetzte etc. • Seide in der Medizin: im Krieg wurde Wundseide von den Ärzten an der Front häufig genutzt, Beschichtung für z.B. Brustimplantate • Seide als kampferprobtes Material: Bogensehne (belegt für Reflexbögen der „Steppenkrieger“, Seidenwamst als Schutzweste • Seidenleim in der Kosmetik: hautfreundlicher Bestandteil in Hand- und Bodylotions, in Haarpflegeprodukten

 

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Röttgen rockt

An Weiberfastnacht stürmte es in Röttgen nur in der Turnhalle der Schlossbachschule. Während sich draußen die vorhergesagten Sturmböen lediglich als starker Wind entpuppten, bereiteten rund 120 kleine und große bunt kostümierte Jecken den einziehenden Gardecorps, Musikgruppen, Rednern sowie dem Bonner Prinzenpaar und Röttgens Kinderprinzessin Mara I. einen stürmischen Empfang. Die gute Laune ebbte auch nach der gut fünfstündigen Sitzung nicht ab. Im Gegenteil. Denn last but not least tanzte Röttgens legendäres Männerballett Bodo und die Ballermänner. Deren halbstündige Show brachte nicht nur die Frauen außer Rand und Band auch die Männer klatschten kräftig Beifall, während die Kids nach jedem Tanz lautstark Zugaben forderten.

 

Ansonsten ließen es vier Musikgruppen so richtig krachen und brachten Schwung in den Laden. Stephan Rohde, Bandleader und Gitarrist der Gruppe „Karobuben“ sowie Clemens Roer, Keyboarder der Kölschrock-Gruppe „Dave Zwieback“ hatten an diesem Nachmittag sogar ein Heimspiel, denn beide sind in Röttgen aufgewachsen. Auch die beiden anderen Band (De Schlappkappe und 5 Jraad) animierten zum Mitsingen, Schunklen und Tanzen und das sogar über Tische und Bänke!


Für gute Stimmung sorgte auch der Auftritt des Bonner Prinzenpaares. Patty I. hatte ihren Prinzen kurzerhand entmachtet, sich dessen Narrenkappe und Zepter angeeignet und ergriff am Tag der Möhne emanzipiert als Erste das Wort. Sie spreizte sich ordentlich und rieb die Federn der Narrenkappe den umstehenden Offizieren der Bonner Stadtsoldaten gründlich unter die Nasen. Grüne Strümpfe und Blümchenschuhe, mit dieser modischen Extravaganz wich Patty I. ebenfalls vom Protokoll ab und machte deutlich, dass sie sich an diesem Tag nun wirklich nichts vorschreiben ließ. Prinz Miko I. wirkte dagegen mit dem Krätzchen der Bonna auf dem Kopf etwas eingeschüchtert, klagte eine wenig über die Hausarbeit, die Männer und plauderte über das Dasein als Wäscheprinzessin. Aber nicht nur dieser närrische Rollentausch war ein Angriff auf die Lachmuskeln, auch das Rednerduo Botz un Bötzje kamen später noch gut an.

Für Joachim Stamp gab´s tüchtig was auf die Ohren. Stephan Eisel nutzt die günstige Gelegenheit!
Für Joachim Stamp gab´s tüchtig was auf die Ohren. Stephan Eisel nutzt die günstige Gelegenheit!

Im Gefolge des Musikcorps der Stadtsoldaten hatte sich Prominenz in Person von Dr. Stephan Eisel eingefunden. Der nutzte die Gelegenheit seinem „politischem Kontrahenten“ von der FDP-Fraktion Dr. Joachim Stamp noch schnell ein paar schlagfeste Argumente mitzugeben. Als weiterer prominenter Gast aus der Politik wurde Dr.Christos Katzidis (CDU) begrüßt.

 

 

Ein Stelldichein gab sich auch Kinderprinzessin Mara I. (Mara Wallrath) mit ihrer Paginnen Lara (Lara Dölger). Begleitet wurden sie von der Prinzengarde Weiß-Rot, die sowohl mit ihren Gardetänzen als auch dem Showtanz begeisterten. Mit einem Riesenaufgebot, das kaum auf die Bühne passte rückte zu Beginn der Sitzung die Bonner Ehrengarde mit Musikcorp, Mariechen, Tanzoffizieren, dem Koch der Truppe und den Soldaten an. Letztere wibbelten was das Zeug hielt während die Tanzoffiziere mit den Mariechen in und auf dem Arm über die Bühne wirbelten.

 

Etwas ruhiger aber mit umso mehr Charme präsentierte sich die Damentanzgruppe der Röttgener Prinzengarde "Knöddelsföös". Die Namensgebung ist jedoch ein wenig irreführend, denn  immerhin schaffen es die Köddelsföös seit 30 Jahren ihre Choreografie vollkommen ohne Knöddel in de Föös vorzuführen.

 

Zufrieden waren nicht nur die Jecken im Saal, sondern auch die Organisatoren. Der Festausschuss hatte ein flottes Programm zusammengestellt und wartete zudem erstmals mit Currywurst auf dem Speisenplan auf. Die Helfer und Helferinnen an der Essens- und Getränkeausgabe hatten jedenfalls alle Hände voll zu tun und auch Frank Edelmann, 1. Vorsitzender des Festausschusses freute sich über den reißenden Absatz und die ausgelassenen Stimmung: „ So macht organisatorische Arbeit Spaß, wenn man sieht, wie die Leute schunklen, klatschen, tanzen und sich über einen unbeschwerten Nachmittag freuen. Das ist für uns die schönste Bestätigung unserer ehrenamtlichen Arbeit.“

 

Weiberfastnacht in Röttgen: Fotos hier.

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Was es mit Weiberfastnacht auf sich hat

Im Rheinland ist der Donnerstag vor Aschermittwoch der Tag der "Altweiberfastnacht" oder einfach "Weiber-fastnacht“ bzw. „Wieverfastelovend“ wenn man´s ganz genau nimmt. An diesem Tag übernehmen die Frauen bzw. die „Möhnen“ (wie es im Rheinland heißt) das Regiment und stürmen in vielen Städten die Rathäuser. Mit Weiberfastnacht startet auch der traditionelle Straßenkarneval.

 

Auf den Märkten, in den Straßen und Kneipen geht es dann hoch her und vor allem Männer mit Schlips und Kragen sollten auf der Hut sein. Denn es ist mehr als wahrscheinlich, dass ihre Krawatte der Schere der jecken Wiever zum Opfer fällt. Ein Brauch, der sich erst nach 1945 verbreitet haben und keinen Zweifel daran lassen soll, wer an diesem Tag das Sagen hat.

 

Woher aber kommt die Tradition der Weiberfastnacht? Die Spurensuche führt hier zurück bis ins Mittelalter. Bereits in dieser Zeit wurde in den Kölner Klöstern am Donnerstag vor Fastnacht die sogenannte Pfaffenfastnacht gefeiert. Besonders in den Nonnenklöstern muss es hoch hergegangen sein. Aus dem Benediktinerkloster St.Mauritius wird vom Karneval 1729 berichtet, dass man die Fastnacht in voller Lust gefeiert hätte, und alle Nonnen seien verkleidet gewesen. Am Tag wurde getanzt und gesprungen und des Nachts, als die Äbtissin schlafen gegangen war, wurde bei Kaffee und Tee Karten und Dame gespielt. Die Pfaffenfastnacht verschwand mit dem Einzug der französischen Revolutionsarmee 1794 in Köln, als alle Klöster aufgelöst wurden.

 

Auch auf den Straßen Kölns wurde von den Frauen Weiberfastnacht gefeiert, besonders von den Marktfrauen auf dem Altermarkt. Die Frauen rissen sich gegenseitig die Mützen und Hüte vom Kopf. Das Ganze nannte man "Mötzebestot" (kölsch für "Mützenbestapelung"). Der Hintersinn dieses Brauchs liegt in der Bedeutung des Sprichworts "unter die Haube bringen". Eine Tochter "unter die Haube bringen" heißt, sie zu verheiraten oder ins Kloster zu geben. Dieser Brauch hielt sich etwa bis gegen 1890. Nicht aufgegeben wurde jedoch das närrische Treiben auf den Marktplätzen und in den Straßen. So hat sich Weiberfastnacht bis heute als „Tag der Frauen“ im Karneval erhalten.

Auch in anderen Regionen hat Weiberfastnacht Tradition –allerdings unter anderen Namen. Je nach Region sind Bezeichnungen wie schmutziger Donnerstag, schmotziger Donnerstag, dicker Donnerstag, unsinniger Donnerstag oder auch gumpiger Donnerstag geläufig.

 

Was aber ist an dem schmutzigen Donnerstag so schmutzig? Und was gibt es da zu feiern? Den Hausputz etwa? Im Schwäbisch-alemannischen hat das Wort „Schmutz“ nichts mit Dreck zu tun. Es leitet sich vielmehr von dem Begriff „Schmotz“ ab, was übersetzt soviel wie „Fett“ bedeutet. In manchen Orten heißt der schmutzige Donnerstag daher auch „fetter“ oder „feister Donnerstag“.

 

All diese Ausdrücke erinnern an den früheren Fastnachtsbrauch, dass an diesem Donnerstag letztmalig vor Aschermittwoch geschlachtet wurde und in Folge dieser Schlachtung die fettgebackenen Fastnachtsküchlein bzw. Fastnachtskrapfen hergestellt wurden. Noch heute findet in manchen Orten traditionell donnerstags ein Schlachtfest statt.

 

Andere übliche Bezeichnungen für den Fastnachtsdonnerstag sind beispielsweise "unsinniger Donnerstag" oder "gumpiger Donnerstag". Sie betonen vor allem den närrischen Aspekt. So leitet sich "gumpig" aus dem Mittelhochdeutschen "gumpen" ab. Es bedeutet "sich auf und ab bewegen", "hüpfen" oder im weiteren Sinne "Possenreißen".

 

Gleichbedeutende und ebenfalls häufig gehörte Begriffe für schmutziger Donnerstag sind:

•Schmotziger Dunschtich

•Schmotziger Dauschtich

•Schmotziga Dorschdich

•Dicker Donnerstag

•Unsinniger Donnerstag

•Schmotziga Dauschteg

•Gombiger Doschdig

•Gumpiger Dunschtig

•Glombiger Doschdig

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Das kölsche Grundgesetz auf Kölsch und Hochdeutsch

Für alle, die es nicht kennen oder wieder vergessen haben:


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Kein Karneval ohne Orden: Sie persiflieren und sind Zeichen der Anerkennung und des Dankes

Mit dem organisierten Karneval begann auch die Geschichte der Karnevalsorden. In Köln wurden die ersten Karnevalsorden bereits 1824 verliehen. Etwa um 1880 taten es die Bonner den Kölnern gleich und so begann auch hier die Tradition der Ordensverleihung. Ob nun in Köln oder Bonn, beide Städte machten sich mit der Vergabe von Orden nur allzu gern über die Preußen lustig, die ab 1822 das Rheinland besetzt hielten.

 

Nun ist der Rheinländer nicht gern Untertan und Obrigkeitsdenken ist ihm von jeher ein Dorn im Auge. Die Renitenz der Rheinländer gegen die Preußen fand ein Ventil im Spott. So sind die Karnevalsorden eine Persiflage auf staatliche und militärische Orden, Schärpen und Brustbänder. Seither sind die Orden aus dem Karneval nicht mehr wegzudenken.

 

Dabei ist die Gestaltung der Orden so verschieden wie es Karnevalsvereine gibt. Themen aus Politik, Geschichte, Kirche, bekannte Persönlichkeiten, bönnsches Milieu u.v.m. werden hier dargestellt. Natürlich entwerfen die Vereine individuell für jede Session neue Orden. So gibt es eine Flut unterschiedlicher Motive und Ausführungen. Grob betrachtet unterscheidet man

drei Ordensarten:

  • Prunkorden: Sie sind echten militärischen oder staatlichen Auszeichnungen (wie z.B. dem Bundesverdienstkreuz) nachempfunden.
  • Motivorden: Diese stellen oftmals Szenen aus der Stadt oder der Vereinsgeschichte dar. Sie werden an Aktive eines Karnevalsvereins oder lokale Prominente etc. verliehen.
  • Verdienstorden: Sie werden für besondere Verdienste oder eine lange Tätigkeit im Ehrenamt verliehen.

Diese Orden sind durchaus ernst gemeinte Auszeichnungen, so dass hier keine Rede mehr von einer Persiflage sein kann.

 

Der höchste Orden, der im bönnschen Karneval vergeben werden kann ist der persönliche Orden von Prinz und Bonna. Dieser wird individuell nach den Vorstellungen des amtierenden Prinzenpaares angefertigt und ist nicht käuflich. Prinz und Bonna verleihen den persönlichen Orden nach eigenem Ermessen. Und wie der Name schon sagt, kann dieser Orden auch nur vom Prinzenpaar persönlich vergeben werden.

 

In Bonn sind mehrere Firmen, die Orden herstellen, ansässig. Sie produzieren pro Jahr zirka 160.000 Orden und 360.000 Abzeichen. Damit erwirtschaften sie einen Umsatz von etwa drei Millionen Euro. Auch hier gilt: Der Karneval ist ein Wirtschaftsfaktor. Übrigens: Der Festausschuss Bonner Karneval verfügt über eine umfangreiche Ordenssammlung. Sie kann während einer Führung im Haus des Karnevals besichtigt werden. Der älteste Orden in diesem Archiv stammt aus dem Jahr 1890.

 

Ordensjäger und -sammler

Eine Ausbeute von rund 50 Orden sind in Prinzessin Xenias Amtszeit 2014/15 zusammengekommen.In der Karnevalszeit schmücken sie das Treppengeländer.
Eine Ausbeute von rund 50 Orden sind in Prinzessin Xenias Amtszeit 2014/15 zusammengekommen.In der Karnevalszeit schmücken sie das Treppengeländer.
Zweifellos der interessanteste Orden in Xenias Sammlung: der Orden des Bonner Prinzenpaares Jürgen Römer und Nora Jordan
Zweifellos der interessanteste Orden in Xenias Sammlung: der Orden des Bonner Prinzenpaares Jürgen Römer und Nora Jordan

Eins jedenfalls ist mal sicher: Keine Sitzung und kein Auftritt ohne Orden! Bei der Ordensverleihung lässt sich der Jeck im Allgemeinen nicht lumpen. Die „Blechanhänger“ sind heiß begehrte Ehrenzeichen, die von Karnevalisten verschenkt und auf der anderen Seite gesammelt werden.

 

Xenia Zimmermann, Röttgens Kinder-prinzessin der Session 2014/15 z.B. kann auf eine stattliche Sammlung von rund 50 Orden schauen. Neben ihrem eigenen Orden, der ihr vom Festausschuss Röttgen Ückesdorf verliehen wurde, ist der Orden vom Karnevalsprinzenpaar Jürgen I. (Jürgen Römer) und Nora I. (Nora Jordan). „Diesen Orden finde ich besonders schön, weil er mal was anderes ist“, sagt Xenia, „in der Mitte des Ordens ist nämlich ein kleines Fenster eingelassen, in dem eine kurze Diashow zu Bonns Glücksfällen von früher bis heute zu sehen ist.“

Typisch für den Niederrhein: Orden mit Windmühlenmotiv. Diesen ergatterte Xenia in Kempen
Typisch für den Niederrhein: Orden mit Windmühlenmotiv. Diesen ergatterte Xenia in Kempen

 

Xenia gefällt vor allem die Vorstellung, dass nicht nur sie Orden ergattern konnte, sondern dass umgekehrt überall dort, wo sie als Kinderprinzessin aufgetreten ist, nun auch der Röttgener Prinzenorden zu finden ist. Sogar in Kempen am Niederrhein gibt es jetzt den Röttgener Karnevalsorden der Session 2014/15.

 

 

 

 

 

 

Auch in Röttgen haben Karnevalsorden Tradition

Eine "Pinwand" voller Auszeichnungen im Vereinraum des Röttgener Festausschusses.
Eine "Pinwand" voller Auszeichnungen im Vereinraum des Röttgener Festausschusses.

In Röttgen startete die Geschichte mit den Orden im Jahr 1975. Paul Butscheid und Inis Hecker erhielten als erstes Kinderprinzenpaar einen eigenen Prinzenorden. Ausgesucht und finanziert wurde dieser noch von den Eltern des Prinzenpaares. Ab 1990 übernahm der Festausschuss Röttgen unter dem Vorsitz von Anna-Maria Esser die Auswahl sowie die Kosten für die Orden. Seit 2002 ist Gustav Hecker (seit 2014 Ehrenvorsitzender des Festausschusses Röttgen Ückesdorf) offizieller „Ordensbeauftragter“ des Vereins. „Irgendwann wurden mir aber die Orden von der Stange zu langweilig und zu unpersönlich“, sagt er. Und so setzte sich Hecker hin und entwickelte vor etwa neun Jahren eigene Kreationen. „Dabei war und ist es mir wichtig heimatverbundene Motive auf den Orden zu verarbeiten“, so Hecker. Röttgener und Ückesdorfer Schmuckstückchen wie die Venantius- oder die Hubertuskapelle, das verlorene Schloss Herzogsfreude, Motive aus dem Kottenforst und vieles mehr sind neben dem Emblem des Festausschusses und einem eingearbeiteten Foto mit Namen des jeweiligen Prinzenpaares auf den jährlich wechselnden Orden zu sehen.

Traditionsgemäß wird dieser Festausschuss-Orden im Rahmen der Prinzenproklamation an das jeweilige Kinderprinzenpaar überreicht.

Die Orden des Festausschusses zeigen stets das Prinzenpaar und sind mit heimatlichen Motiven geschmückt. Von li. nach re. die Orden aus den Jahren 2017; 2016; 2015
Die Orden des Festausschusses zeigen stets das Prinzenpaar und sind mit heimatlichen Motiven geschmückt. Von li. nach re. die Orden aus den Jahren 2017; 2016; 2015
Die persönlichen Orden für das Prinzenpaar (links) und ihre Pagen (rechts)
Die persönlichen Orden für das Prinzenpaar (links) und ihre Pagen (rechts)

Wie die Großen erhalten auch die Röttgener/ Ückesdorfer Kinderprinzenpaare und ihre Pagen einen persönlichen Orden, der ihnen vom Festausschuss stets beim Kinderkostümfest verliehen wird. „Diesen Orden gibt es jedoch erst seit dem 40-jährigen Bestehen des Festausschusses im Jahr 2010“ erzählt Gustav Hecker zur Geschichte: „Anlässlich diesen Jubiläums haben wir auch allen ehemaligen Kinderprinzenpaaren den persönlichen Orden nachträglich überreicht.“ Allerdings ist dieser persönliche Orden nicht wie beim Bonner Prinzenpaar individuell gestaltet. „Bei uns unterscheidet sich zwar der Pagen- vom Prinzenorden“, erklärt Hecker, „ Das Design bleibt aber über die Jahre gleich.“

 

Auch die Seniorenorden sind Unikate, angefertigt von Gisela Krebs.
Auch die Seniorenorden sind Unikate, angefertigt von Gisela Krebs.

Traditionell erhalten die Kinderprinzenpaare bei jeder Karnevalsveranstaltung in Röttgen eine Auszeichnung:

  • Den Orden des Festausschusses bei der Prinzenproklamation
  • Den persönlichen Orden beim Kinderkostümfest
  • Den selbstgebastelten Orden der Senioren beim Seniorenkarneval
  • Ein graviertes Glasgefäß (meist ein Trinkglas oder eine Bonboniere) auf Weiberfastnacht

 

Aber auch die Röttgener Prinzengarde Weiß-Rot kreiert seit der Vereinsgründung vor 30 Jahren jährlich originelle Karnevalsorden. „Wir setzten da auf den Einfallsreichtum unserer Mitglieder“ berichtet Willi Juchem, 1. Vorsitzender des Vereins. So sei in diesem Jahr wie am Motiv des Ordens unschwer zu erkennen ist Busfahrer Dirk Goebel maßgeblich am Entwurf beteiligt gewesen.

Wer gern mal einen Blick auf die Orden der Prinzengarde werfen möchte kann dies unter folgendem Link tun:

www.weiss-rot-roettgen.de

 

Prinzengarde Weiß-Rot op Jöck im VIP-Shuttle
Prinzengarde Weiß-Rot op Jöck im VIP-Shuttle
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Küsschen hier und Küsschen da - Dat Bützchen im Karneval

Im Karneval wird nicht nur reichlich Kamelle geworfen, es wird auch reichlich jebütz! Ein Küsschen in Ehren kann schließlich niemand verwehren. Dat Bützchen (Küsschen) dient aber keineswegs der Anmache und ist schon gar nicht Ausdruck sexuellen Verlangens; es ist Zeichen der Freude und des Frohsinns. Ein Bützje bleibt unverbindlich, verpflichtet zu nichts und wird an viele verteilt.

 

Clown küsst Indianer, Piraten den Pastor und auch die Polizeibeamten am Wegesrand dürfen im Karneval durchaus jebützt werden.

Selbst unsere Royals tun es!

Da gibt es keine Ressentiments. Bützchen werden speziell an Weiberfastnacht für eine abgeschnittene Krawatte eingefordert, zum Dank für ein Kölsch oder ein Strüssje oder auch einfach nur so.

 

Aber aufgepasst: Hier wird anständig jebütz! 

Das Bützche ist kein Abschlecken und auch kein feuriger Kuss. Er ist auch kein Startschuss für hemmungslose Knutscherei, es sei denn das Gegenüber signalisiert eindeutiges Einverständnis. Wer also viele Bützchen absahnen will, sollte auch im Karneval nett und höflich sein und nicht gegen den Willen seines Gegenübers wild drauf los bützen. Klassischerweise wird auf die Wange geküsst. Doch ganz so genau nehmen es die Jecken meist nicht. Ein sachter Kuss auf den Mund, ans Ohr oder vorsichtig aufs Dekolleté platziert ist durchaus möglich. Dazu die Lippen fein säuberlich gespitzt und dann fröhlich drauf los jebütz. Kurz: Ein Bützchen muss appetitlich sein! Ein dicker Schmatzer –gern in Kombination mit einer kurzen, herzlichen Umarmung- darf´s auch mal sein.

 

Eifersucht ist auf der Bützchenjagd jedoch fehl am Platz. Zwar darf auf Teufel komm raus geflirtet werden, aber auch das bleibt in der Regel unverbindlich und ist spätestens Aschermittwoch vergessen. Im rheinischen Karneval geht es schließlich nicht um Zärtlichkeit oder die Suche nach der großen Liebe. Obwohl sie hier und da schon mal entfacht wurde.

 

Nicht nur die Jecken auf der Straße bützen gern, auch das karnevalistische Liedgut strotzt nur so vor Küsschen. Schon Willi Ostermann sang „Kölsche Mädcher künne bütze“ (jo dat es en wahre Staat. Su e Bützche vun ´nem Nützche, Jung dat schmeck wie Appeltaat.). 1948 hieß es bei Karl Berbuer „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien….Wir sind zwar keine Menschenfresser, doch wir küssen umso besser“ und auch das aktuelle Liedgut beschäftigt sich gern mit der Küsserei. So lobsingen die Räuber: „Kölsche Junge bütze joot, wie die Stars in Hollywood…“

 

Übrigens auch die Stadt Bonn hat den Kuss wiederentdeckt. Ihr Slogan lautet: „Diesen Kuss der ganzen Welt“. Den Bonner Kussmund, der in den 70ern regelrechten Kultcharakter hatte, können Besucher nun wieder mit nach Hause nehmen: Als bleibende Erinnerung auf einer Kaffeetasse, einem Frühstücksbrettchen oder als Aufkleber an all die Bützchen, die man im Bonner Karneval einheimsen konnte.

 

Was die Stadt Bonn kann, können wir in Röttgen und Ückesdorf allemal, deshalb ein dreifaches :

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Mit "Alaaf" rheinisches Lebensgefühl zelebrieren

Röttgen Alaaf!

Prinzessin Mara I. Alaaf!

Ückesdorf Alaaf!

 

So jubeln die Jecken in Röttgen undÜckesdorf nun wieder bis zum Aschermittwoch. Dazu: Pappnas, Kölsch, Gardetänze, Schunkeln und Kamelle – alles klar, weiß hier jeder.

 

Seit wann aber gibt es den närrischen „Schlachtruf“, der einem auf den Straßen und im Sitzungskarneval ständig begegnet? Und was bedeutet er überhaupt?

 

Bevor wir uns diesen Fragen widmen, das Wichtigste zuerst (für Imis, also Zugezogene, die nicht aus der Köln-Bonner-Bucht stammen): „Alaaf“ ist auf GAR KEINEN FALL und UNTER KEINEN UMSTÄNDEN zu verwechseln mit „Helau“, denn das ist der Schlachtruf der Mainzer und Düsseldorfer, und damit in Kölner und Bonner Karneval absolut tabu! Bei einer Verwechslung hier auf die sprichwörtliche Toleranz der Kölner und Bonner zu hoffen, ist allemal zwecklos.

 

Nachdem das also geklärt ist, nun zum Ursprung des rheinischen Hochrufes. Tatsächlich ist der Ausruf schon deutlich älter als der organisierte Karneval, der in Bonn um 1825 aus der Taufe gehoben wurde. Der Kölner Philologe Heribert Augustinus Hilgers (1935-2012) erforschte an der Universität Köln jahrzehntelang die kölsche Sproch und fand heraus, dass „Alaaf“ als Jubel-und Trinkspruch schon seit etwa 1550 nachweisbar ist. Als Beleg dient ein Kölner Tonkrug mit der Aufschrift „Allaf fur einen goden druinck“. Womit gemeint ist „für einen guten Trunk lasse ich alles stehen“. Übrigens: Auch in der Frechener Gegend sowie dem belgischen Raeren, nahe Aachen, sind dergleichen Tonkrüge gefunden worden.

 

Laut Hilgers bedeutet der Hochruf „All af“ soviel wie „alles abwärts“ oder „alles andere nieder“. Der Lob- und Trinkspruch stand zunächst also in keinerlei Beziehung zum Karneval. Erst als sich der Karneval wandelte und in institutionalisierter Form mehr und mehr die Straße und die Öffentlichkeit eroberte, erst da wurde „Alaaf“ zum vertrauten Schlachtruf der tollen Tage.

Wer heute zum Beispiel „Röttgen Alaaf“ ruft, will sagen:

 

“Alles steht für mich unter Röttgen.

Erst kommt Röttgen, danach ganz lange nichts.

Nichts geht mir über Röttgen.“

 

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Walter Christian: Ein Lehrer mit Leib und Seele geht in Ruhestand

Walter Christian: Nach 38 Jahren Schuldienst kann er sich jetzt mehr um die Familie und seine Hobbys kümmern
Walter Christian: Nach 38 Jahren Schuldienst kann er sich jetzt mehr um die Familie und seine Hobbys kümmern

„Den habe ich immer sehr gemocht“, erinnert sich eine ehemalige Schülerin an ihren Religionslehrer. „Er ist der friedliebendste Mensch, den ich kenne, und dabei so streitbar wie kaum ein anderer. Seine verbindliche, ruhige Art, sein Engagement und seinen Einsatz für die Schüler habe ich immer sehr geschätzt.“ Die Rede ist von Walter Christian, Lehrer für katholische Religion und Deutsch am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium (CvO).

 

Nach 38 Schuljahren verabschiedet sich nun ein Urgestein der Schule in den Ruhestand. Aber auch wenn der aktive Schuldienst nun zu Ende ist, Walter Christian hat noch viel vor. Als Vorsitzender des Potsdam-Clubs, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Geschichtsvereine in Bonn, des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sowie der Lenné-Gesellschaft wird es auch im Ruhestand nicht langweilig. Auch freut er sich darauf, nun mehr Zeit mit seiner Familie, insbesondere mit seinen Enkeln und seiner Frau, die ihm all die Jahre den Rücken für seine Arbeit freigehalten habe, verbringen zu können.

 

Mit Walter Christian geht nun einer, der die Schulgeschichte wie kaum ein anderer kennt. Zahlreiche Schülergenerationen hat er durch die Schulzeit begleitet, drei Direktoren miterlebt, und auch an der Entwicklung des CvO hin zu einer Ganztagsschule war er maßgeblich mitbeteiligt.

 

Sowohl im Beruf als auch privat stand er stets aktiv für seine Überzeugungen ein. Schon als er zum Studium von Bitburg nach Bonn kam, mobilisierte ihn die Einberufung zum Militär zu politischem Engagement. NRW-weit baute er ein Beratungsnetz für Kriegsdienstverweigerer auf und organisierte in Bonn die ersten Proteste der Friedensbewegung mit. Seine Berufswahl und auch die Entscheidung für die Geisteswissenschaften mit den Fächern Deutsch, Religion und für die Sozialwissenschaften (wobei er erst ganz zum Schluss Politik unterrichtet hat) habe er nie bereut: „Wie Goethes Faust wollte ich immer verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält“. Die Fragen seiner Schüler hätten nicht selten seine Neugier zusätzlich beflügelt. Oft habe er mit Exkursionen und Aktionen den Wirklichkeitsbezug der Unterrichtsthemen hergestellt. Aber nicht nur deswegen sei er gern Lehrer gewesen. Neben der reinen Unterrichtstätigkeit wollte er auch ein guter Pädagoge sein. „Wichtig war mir immer das Wohl der Schüler.“ Hierfür trat Walter Christian auch gegen Widerstände bei Kollegen, Eltern und seinen Schülern ein – respektvoll, geduldig, aber vehement. „Diese menschliche Auseinandersetzung mit dem Ziel einer versöhnlichen Lösung wird mir sicher am meisten fehlen“, meint er im Hinblick auf seine Zukunft.

 

Das Vertrauen seiner Schüler, das ihm besonders am Herzen lag, erwarb er nicht zuletzt durch außerschulische Aktivitäten. „Deshalb habe ich gern mit ihnen Theater gespielt und neben vielen Klassenfahrten vornehmlich in die neuen Bundesländer auch mit angehenden Abiturienten Rucksacktouren nach Griechenland unternommen, zur Vorbereitung in die Südeifel, wo wir in den Gärten meiner Verwandten zum Übernachten unsere Zelte aufschlagen durften.“ Und auch sonst fanden die Schüler in Walter Christian einen bereitwilligen Unterstützer und Förderer von Aktivitäten, die über den Schulalltag hinausgingen. So leitete er 17 Jahre lang die Dritte-Welt-AG, aus der sogar eine langjährige und erfolgreiche Patenschaft für vier peruanische Schüler hervorging.

 

Für die Schülerzeitung „Zündstoff“ gestaltete er das Layout und überprüfte die Texte auf „Sozialverträglichkeit und Richtigkeit. Denn nicht immer kamen die Lehrer dabei gut weg“, schmunzelt Christian heute. „Dennoch habe ich hier und da ein Auge zugedrückt und etwas durchgehen lassen, für das die damalige Direktorin uns einmal auch ordentlich die Leviten gelesen hat“, erinnert er sich. Als allerdings 1996 ein Betreuer für den Schulsanitätsdienst gesucht wurde, winkte Christian zunächst ab: „Der medizinische Bereich war nun wirklich das allerletzte, was ich mir vorstellen konnte.“ Dennoch half er schließlich auch hier. Gemeinsam mit den Schülern erlernte er Erste-Hilfe-Maßnahmen beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes, der damals Schulsanitätsdienste in Bonn initiierte und koordinierte. Die CvO-Sanis entwickelten dank der Mithilfe einer Elternmutter mit Krankenschwester-Erfahrung Vorbildqualitäten, weshalb man Christian im Jugendrotkreuz zum Kreisleiter wählte. Dieses Amt bekleidete er fünf Jahre lang. Dass es den CvO-Sanitätsdienst nach 20 Jahren auch heute noch gibt, erfülle ihn mit Stolz, sagt er.Nicht unerwähnt bleiben dürfen die zahlreichen Schulgottesdienste, um die er sich von Anfang an gekümmert hat, seit vielen Jahren hauptverantwortlich als Leiter der Fachschaft und Vorsitzender der Fachkonferenz Katholische Religionslehre bis heute.

 

Die prägendste Erfahrung in seiner Dienstzeit sei zweifellos die Umstrukturierung der Schule zu einer Ganztagsschule (1990) gewesen. Ein dramatischer Rückgang der Schülerzahlen Mitte der 1980er Jahre habe diesen Schritt notwendig gemacht und das gesamte Kollegium zur Rettung der Schule mobilisiert. „Mit Pioniergeist und kindlicher Freude haben wir in den Sommerferien unsere Schule umgebaut. Für die Essensausgabe haben wir aus Spanplatten eine Theke gebastelt, den Mensaraum ausgestaltet, einen Spieleraum eingerichtet u.v.m. Auch viele Eltern und Schüler haben uns dabei tatkräftig unterstützt“, erzählt Walter Christian. In dieser Zeit betrieb er Pressearbeit, mit der er auf die Schule aufmerksam machen wollte und es bis heute mittlerweile als offizieller Pressesprecher noch tut. „Diese Umbruchphase halte ich für die Hauptquelle der positiven kollegialen Atmosphäre am CvO“, ist sich der Pädagoge sicher, „ein Geist, der immer wieder die neuen Kollegen angesteckt hat und zur Grundstimmung in der Lehrerschaft wurde.“

 

Mit der „Schulbühne“, der jährlichen Ausgabe des Schuljahrbuchs, für dessen Layout Christian seit mehr als 15 Jahren zuständig ist, hinterlässt er eine reichhaltig bebilderte Edition der Schulgeschichte. Ob Theateraufführungen, Schulkonzerte, Wettkämpfe, Tag der offenen Tür oder bei der Verleihung von Auszeichnungen, Walter Christian hielt mit seinem

Fotoapparat alles für die Schulzeitung fest, gestaltete Plakate, Flyer u.v.m. Wer seine Nachfolge bei der „Schulbühne“ und als PR-Koordinator der Schule übernehmen wird, muss sich in nächster Zeit klären. Zunächst steht er für diese Funktionen noch zur Verfügung.

 

Schulleiterin Marie Krahé-Feller jedenfalls wird Walter Christian vermissen: „Er war ein verantwortungsvoller, absolut integrer Kollege, den man Tag und Nacht anrufen konnte und der immer zur Stelle war, wenn er gebraucht wurde. Er hatte eine vorbildliche Einstellung zum Beruf, die man nur weitergeben kann.“

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Männer und Ballett ist wie Comedy und Schwanensee

Seit 20 Jahren präsentieren Bodo und die Ballermänner Männerballett vom Feinsten

Wer hätte das gedacht? – Aus einem Ulk wird eine Institution, die auch weit über die Grenzen Röttgens hinaus bekannt ist, und das schon seit 20 Jahren. Die Rede ist vom Röttgener Männerballett „Bodo und die Ballermänner“. Die Männer in Frauenkleidern sind auf jeder Sitzung ein Renner und erobern insbesondere die Herzen der Damen im Sturm. Und das nicht nur, weil die Herren in Damenstrümpfen und ihren bunten Kleidern einfach lecker anzusehen sind, sondern auch weil sie Jahr für Jahr ein tänzerisch und akrobatisch anspruchsvolles Programm auf die Bühne bringen.

 

Aus Jux und Dollerei tanzen drei Männer als ´alte Kameraden´ vor mehr als 20 Jahren beim Vereinsfest der Röttgener Prinzengarde Weiß-Rot. „Wir haben unter der Bank gelegen vor Lachen“, erinnert sich Annemarie Esser noch genau an die –im wahrsten Sinne des Wortes- umwerfende erste Performance der Männer. Angespornt von so viel Zuspruch und dem Vorbild der Frauen, deren Tanzgruppe ´Knöddelsfööß´ schon seit Jahren im Karneval auftraten, sagten sich die Männer: „Was die Frauen können, können wir auch.“ 1996 war es schließlich soweit: eine Handvoll jecker Vereinsmitglieder aus der Prinzengarde gründeten Röttgens einzigartiges Männerballett ´Bodo und die Ballermänner´. Seither erfreut sich das Ballett wachsender Beliebtheit und tritt während der Session in und rund um Bonn auf.

 

Stimmungskanonen auch außerhalb der Karnevalsession

Auch außerhalb der Karnevalszeit kommt die aktuell elfköpfige Truppe gut an. „Wir haben schon so ziemlich überall getanzt. Auf Geburtstagen, Hochzeiten, Scheidungspartys, Betriebsfesten, Jubiläen aller Art, Polterabenden und Weihnachtsfeiern“, erzählt Willi Juchem, Gründungsmitglied desMännerballetts und 1. Vorsitzender derPrinzengarde Weiß-Rot-Röttgen e.V. , zu deren Tanzgruppen auch Bodo und die Ballermänner gehören. „Lediglich auf Beerdigungen sind wir noch nichtaufgetreten.“ Besonders gern erinnern sich Juchem und auch Udo Lenz, der ebenfalls von Anfang an dabei ist, an den Auftritt bei einer Schwulenhochzeit. „Das war eine unbeschreiblich schöne und einzigartige Stimmung, wie wir sie noch nie erlebt haben. Aber natürlich sind auch Mädchensitzungen und Auftritte in rappelvollen Kneipen oder Festzelten immer wieder toll. Wenn die Leute sich auf den Spaß einlassen, mitsingen und jubeln ist das für uns einfach großartig“, sind sich die beiden einig.

 

Während Udo Lenz noch aktiv das Tanzbein in der Männerformation schwingt, hat Juchem sich seit ca. zwei Jahren auf die Moderation der Auftritte verlegt. Immer einen flotten Spruch auf den Lippen spielt er seine Qualitäten als Entertainer und Frontmann der Truppe aus. „Ich kann zwar leider nicht mehr mittanzen –die Knie, sie wissen schon- aber der direkte Kontakt und das Spiel mit dem Publikum machen auch unglaublich viel Spaß.“ So ist und bleibt Juchem  fester Bestandteil des Balletts, in dem vom Dachdecker bis zum Professor alles zu finden ist.

 

Eine Gleichung die aufgeht:

Kreative Kostüme + ausgefeilte Choreografien = anspruchsvolles, erfolgreiches Ballett

Ob als Stewardessen, Zigeunerinnen, Funkenmariechen, Hawaimädchen oder im rosa Mini-Kleidchen -die Männer begeistern in jedem Outfit mit ausgefeilten Choreografien. Nicht umsonst haben Bodo und die Ballermänner bereits zahlreiche Preise bei Turnieren und Stadtmeisterschaften gewonnen. Zuletzt 2010 beim 6. Wachtberger Männerballett Festival. Dort wurden sie Gesamtsieger und belegten darüber hinaus den zweiten Platz in der Kategorie „Karnevalistische Einlagen“. Der karnevalistische Aspekt ist den Männern bei all ihren Auftritten ganz besonders wichtig. „Unsere Kostüme und die Art zu Tanzen haben nichts frivoles oder unanständiges“, betont Willi Juchem.

Seit 12 Jahren trainiert sie die Männer und denkt sich immer neue Choreografien aus: Michaela Bartz
Seit 12 Jahren trainiert sie die Männer und denkt sich immer neue Choreografien aus: Michaela Bartz

Neben den Männern selbst achtet Trainerin Michaela Bartz auf das Niveau der Tanzshow. Seit 2005 denkt sie sich jährlich neue Choreografien aus, sucht nach passender Musik und hält die Akteure fit. Trainiert wird einmal pro Woche für 1,5 Stunden. „In der Zeit macht die Frau 10 bis 11 Männer platt“, lacht Juchem. Das Training sei nicht nur schweißtreibend, sondern auch was fürs Köpfchen, so die Trainerin: „Neben einer gewissen Grundfitness müssen die Tänzer Aufstellung, Schrittfolgen und Hebefiguren erlernen, ihre Arm- und Beinarbeit koordinieren, an ihrem Gang arbeiten und dabei noch ein freundliches Gesicht machen. “ Eine sportliche Herausforderung, die eine gute Portion Ehrgeiz und Biss verlangt, bei der aber trotz allem immer der Spaßfaktor überwiegt.

 

Das Besondere am Männerballett sei das Gemeinschaftsgefühl und der enorme Zusammenhalt der Männer untereinander, so Michaela Bartz, die seit ihrem dritten Lebensjahr tanzt und auch als Cheerleaderin viele Jahre lang aktiv war.  Als waschechte Rheinländerin weiß sie zudem auch um die traditionelle Rolle des Männerballetts im Karneval: „Denn ursprünglich war der Karneval ja eine reine Männerdomäne, in der die Frauenrollen ganz selbstverständlich von Männern übernommen wurden.“ Und das machen Bodo und die Ballermänner so gut, dass sie 2013 sogar in der „Lokalzeit Bonn“ zu sehen waren. Der WDR schickte ein Fernsehteam für eine Live-Übertragung des Trainings in die Sporthalle des Helmholtz-Gymnasiums nach Duisdorf. „So viel öffentliche Aufmerksamkeit zählt zweifelsohne zu einem unserer Highlights“ sagen Juchem und Lenz mit Stolz.

Männerballett - ein Hobby für echte Kerle

Eins ist auf jeden Fall mal sicher: ein Männerballett ist nichts für Angsthasen. Hebefiguren und Wurfelemente erfordern neben Konzentration und Mut, eine große Portion Vertrauen in die Kollegen und vor allem die richtige Technik erklärt Willi Juchem. Weitere Herausforderungen liegen im Ankleiden und Schminken. Udo Lenz erinnert sich noch genau an seinen ersten Auftritt. Wie mühsam das Überstreifen der Strumpfhose war, wie sehr der BH zwickte und an die unzähligen Versuche, die er benötigte, um die falschen Wimpern aufzukleben. „Ich hab eine halbe Ewigkeit gebraucht bis ich für den Auftritt parat war. Ja, die Frauen haben´s schon nicht leicht“, gibt er lachend zu. So werden zumindest in der fünften Jahreszeit aus unerschrockenen Männern echte Frauenversteher. Auch dazu muss Man(n) stehen.

 

Rund 25 bis 30 Auftritte absolviert die Truppe in einem Jahr, ein Drittel davon in der Karnevalszeit vom 11.11. bis Aschermittwoch. Ein ordentliches Pensum für die Hobbytänzer , deren Durchschnittalter bei immerhin 53 Jahren liegt. Sogar erste Termine für das Jahr 2018 seien bereits vergeben, so Willi Juchem.

 

Für die nächsten 20 Jahre wünscht sich Frontmann Juchem das Fortbestehen des Balletts mit karnevalistisch hohem Anspruch und weiteren jecken Mittänzern. Wer sich also nicht vor harten Trainingseinheiten, kurzen Röcken und falschen Wimpern fürchtet, ist in dieser munteren Truppe genau richtig und jederzeit als Verstärkung willkommen.

 

Trainingszeiten sind immer dienstags von 19.45 – 22 Uhr im Helmholzgymnasium Bonn.

Weitere Informationen zum Ballett und erste Kontaktaufnahme unter

www.bodo-und-die-ballermaenner.de

 

Und weil Fotos mehr als tausend Worte sagen, gibt es hier Bilder vom Auftritt beim Vereinsfest sowie vom Training.

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Braucht man so was überhaupt? - literarisches zum Bücherschrank

Literarisches zum Bücherschrank  von Stefan Birckmann
Literarisches zum Bücherschrank von Stefan Birckmann

Guten Tag, ich bin Stefan Birckmann, einer Ihrer Nachbarn, An den Eichen wohne ich und engagiere mich für den offenen Bücherschrank in Röttgen...

 

Wieso macht jemand so etwas?

 

Es gibt keine Bücherschränke im Kongo.

Es gibt auch keine Bücherschränke in Timbuktu, da sind nämlich schon alle Bücher verbrannt.

 

Als ich das erste Mal nach Bonn kam und Richtung Poppelsdorfer Schloß ging, sah ich einen schicken Eisenschrank mit Menschen davor.

Sie lasen Bücher.

Es dauerte Momente bis ich realisierte, was es mit dem schicken Schrank eigentlich auf sich hatte.

Es war ein offener Bücherschrank.

 

Wir können froh sein, dachte ich, Bücher zu haben. Bücher die wir teilen können und Bücher, die für uns eine Bedeutung haben. Nicht nur als Bürger der mit Bildung und Frieden in der Nachbarschaft lebt, nein, alle bedürfen des Wortes von Mensch zu Mensch.

Sei es gesprochen oder geschrieben.

 

Vom Kongo kommend, dann in Bonn gestrandet, besonders Röttgen, dachte ich, hier könnte man eigentlich einen weiteren Bücherschrank sehr gut gebrauchen.

 

Während der Recherche stieß ich auf ein Papier. Titel: Die Leute stellen keine Erstausgaben rein, hieß es.

 

Unter anderem stand darin, dass es mittlerweile über 800 Bücherschränke deutschlandweit gibt. Wow. Und 10 davon allein in Bonn.

 

Und auch welchen Konflikt manche Menschen mit dem Bücherschrank haben, stand nachzulesen. Sei es emotional oder geschäftlich.

 

Diverse Buchhändler kamen da im Artikel zu Wort. Ihr Spektrum zum Bücherschrank wurde beschrieben von „ist geschäftsschädigend“ bis „seit dem der Bücherschrank steht, kauft man wieder vermehrt bei mir“...

Und es wurde die Historie des Bücherschrankes beschrieben, wie es begann. Die Initialzündung, die erste Idee, wen wundert es, kam aus Amerika. Erstmalig in den 90er Jahren wo man Stromschaltkästen umfunktionierte, um der Öffentlichkeit Bücher in einer freien Bibliothek zur Verfügung zu stellen.

 

Die Idee wurde mitgenommen und 1996 stellte Michael Ibsen im Johannisviertel zu Darmstadt ein Regal vom Sperrmüll mit Büchern auf. Bis zum Jahr 2002 dauerte es, so stand zu lesen, bis die Bürgerstiftung Bonn einen Wettbewerb ausschrieb zur Verbesserung des gesellschaftlichen Lebens, den Trixy Royeck gewann.

 

Sei es wie es sei, DAS ist etwas wofür es sich lohnt klappern zu gehen, ging es mir durch den Kopf.

Ohne wirklich zu wissen worauf ich mich eigentlich einlasse.

Eine Reise beginnt mit dem ersten Schritt und dem Reiseziel im Blick. Also zuerst Kontakt mit der Bürgerstiftung. Mit dem Geschäftsführer der Stiftung, Herrn Jürgen Reske traf ich mich am 30.6. 2015 auf dem Schloßplatz zu Röttgen.

 

Es war ein freundliches positives Gespräch und ein guter Geist, der das „Unternehmen offener Bücherschrank“ auf meinem Weg nie verlassen sollte. Nach allerlei Informationen, wirklich guten Ratschlägen und Freundlichkeiten, war klar: Kohle muss her!

 

Aber zu allererst, die Besitzrechte des Standortes klären.

 

Man war sehr hilfreich von Seiten des Katasteramtes und es wurde Auskunft gegeben über die Gemarkung des Standortes.

 

Das Weitere, ist frei nach Goethe: 1 Prozent Inspiration, 99 Prozent Transpiration.

 

Guten Tag, ich bin Stefan Birckmann, einer Ihrer Nachbarn, An den Eichen wohne ich und engagiere mich für den offenen Bücherschrank in Röttgen...

 

Tür zu Tür. 1:1.

 

Willst du den Menschen begegnen, musst du ein Wort an sie richten.

Willst du die Menschen mit denen du lebst kennenlernen?

Dann muss man in Aktion treten.

 

Auch eine Intension des Schrankes. In Aktion treten.

 

Guten Tag, ich bin einer Ihrer Nachbarn, An den Eichen wohne ich und engagiere mich für den offenen Bücherschrank in Röttgen...

 

Jeder Mann und jede Frau, die unvermittelt mir die Tür öffneten bekamen klappernd die Spendenbüchse vorgehalten.

 

Das erste, was auffällig war, war, das Vertrauen der direkten Nachbarn und auch der anderen Anwohner Röttgens. Das ich sehr zu schätzen lernte.

Auch die offen gezeigte Freude darüber, dass jemand loszieht und etwas macht.

 

Es war immer Zeit für ein Gespräch. Auch wenn nicht immer Bücherfans die Tür öffneten.

So wurde ich zum Tee eingeladen oder freundlich bedacht mit, manchmal sehr großzügiger Spende.

Ich, Fremder.

 

Der Gang für den Bücherschrank hat Kraft gegeben, auch die Idee, die ja im Grunde einfach ist, so rüber zu bringen, dass es auch die Idee der Angesprochenen wurde.

 

Ein Satz aus Röttgen, wird mir allerdings immer haften bleiben:

„Ach, ich/wir haben noch so viele Bücher im Keller stehen, die können sie alle gleich mitnehmen.“

„Die sind einfach zu schade zum Wegschmeißen“, war dann der Nachsatz.

 

„Aha“, sagte ich, „dann könnten Sie ja den Bücherschrank mit tollen Büchern ausstatten“.

 

Und so ging es weiter von Tür zu Tür.

 

Guten Tag, ich bin einer Ihrer Nachbarn, An den Eichen wohne ich und engagiere mich für den offenen Bücherschrank in Röttgen...

 

Es war wohl mein „scheinbarer Wert“, face value, dass die Menschen sagten: „Ich gebe 2 Euro, 5 Euro oder hier haben sie 10.“ Höhere Spenden, wie erwähnt, gab es noch von anderen Wohlmeinenden.

 

Man gab dem Mann an der Tür, Geld in bestem Vertrauen. Es war eine ganz besondere Erfahrung.

 

Ein Buch. Nur Einzelne sprachen über diesen Wert.

Liegt es daran, dass vielleicht vieles nur noch mit Popcorn zu genießen ist? Entspannungsliteratur für den Urlaub? Bestseller über Mord und Totschlag, Finsternis der

Seele und Abgründe in der Familie?

 

Was macht die Magie eines Buches überhaupt?

Was macht das gedruckte Wort so faszinierend, dass Menschen sogar beginnen die geschriebenen Worte zu sammeln?

 

Ich schreibe selbst. Es ist mir ein tiefes inneres Bedürfnis mich auszudrücken, nicht unbedingt mich zu erklären, doch zu sagen was in Kopf und Leben so vorgeht. Es mag nicht für jeden wirklich interessant sein, darum geht es auch nicht.

 

Auch um Missverständnisse auszuräumen, es gibt wunderbare Popcorn-Literatur und manchmal bin ich neidisch was einem Kollegen oder Kollegin da so alles aus dem Handgelenk floss.

 

Nein.

Ein Buch ist auch Freund, man ist traurig wenn das letzte Wort gelesen und man Teilhabe an einer Geschichte hatte, einer Dokumentation oder der Fantasie eines Menschen.

Ein Buch kann Trost geben, ist bewegend und erhellend oder schlicht weg großartig.

 

Bücher sind ein Gewinn, etwas, das die Welt schon immer bewegt hat, seitdem es Bücher gibt.

Sei es der Gilgamesch Epos vor 4000 Jahren oder Arthur C. Clarkes 2001 – Eine Odyssee im Weltraum.

Bücher inspirieren, können Schönheit im Leben aufzeigen und neue Gedanken hervorbringen. Fortschritt bedeuten.

 

Ein Bücherschrank ist daher mehr als nur ein Ding mit Altpapier darin und der Frage: Was soll das?

 

Ein Bücherschrank ist die Möglichkeit sich im öffentlichen Raum zu begegnen und auszutauschen, Gespräche zu führen. Andere zu befruchten.

 

Es kostet niemanden etwas wirklich, außer einem gebrauchten Buch von dem man glaubt, es wäre interessant, dass andere es auch mal lesen sollten.

 

Dann denke ich wieder an den Artikel, den ich zur Vorbereitung las.

„Die Leute stellen keine Erstausgaben rein“,

 

Müssen die Leute auch gar nicht, ist mein Gedanke dazu. Es gibt so viel Ungelesenes noch zu entdecken, fangen wir doch erst einmal damit wieder an.

 

Und dass Menschen für oder gegen einen Bücherschrank sind, war ja auch noch vernehmlich.

 

Dazu denke ich wie großartig es doch ist, überhaupt ein Angebot zu haben und die Wahl.

 

Wie gut wir es doch haben, dass wir uns entweder sträuben können wie kleine Kinder, die sich nicht anziehen lassen wollen oder etwas geschehen zu lassen, dass uns alle etwas angeht und gemeinsam weiterbringt. Wie eben ein weiterer offener Bücherschrank.

 

Am Ende sei der Bürgerstiftung Bonn, gedankt für die Ermöglichung des Projektes, auch hier besonders dem Vorstandsvorsitzenden Herrn Werner Ballhausen und dem Geschäftsführer der Stiftung, Herrn Jürgen Reske, für dessen immerwährende Unterstützung und Begleitung.

 

Mein persönlicher abschließender besonderer Dank geht an Jana, Lena, Leon und Kim Gerdes, für ihren großzügigen Beitrag in allen Lebenslagen.

Danke Euch und allen, die gegeben haben, egal in welcher Höhe.

 

Bücher sind vielleicht „old fashioned“ aber vielleicht noch mehr „old fashioned“ sind Bücher mit Gedichten und so erlaube ich mir Ihnen zum Abschluss zwei Gedichte vorzutragen.

 

„Mystery Train“ und „Die Liebe besiegt alles“ - © 2016 Stefan Birckmann.

 

 

Mystery Train

 

Von  Quetta gekommen

Brennt in der steinigen Weite Balochistans Auf eingleisiger Spur ein  Zug

Wie der da so steht 16 Waggons lang

Steigt dunkel Rauch  himmelhoch

Der Zugführer hat angehalten, springt aus der Lok Warnt die Passagiere

Koppelt das Brennende  ab

Die Reisenden rennen Retten sich

Der Held läuft atemlos zum  Führerhaus

Der Zug rollt ächzend  an

Fährt südwärts mit noch drei  Waggons

Lässt die lodernden Wagenskelette hinter   sich

Die Menschen sind in Sicherheit Dank

„Casey“ Jones

In der Ödnis Flammen speiend Verbrennt der Rest

 


Die Liebe besiegt alles

 Die Liebe weiß nichts von der Liebe Die Liebe ist rein

 

Nicht personell

 

Die Liebe ist die Unschuld Die Liebe selbst zu sein

 

Die Liebe gibt Die Liebe nimmt Ohne Bedingung

 

Die Liebe ist aufrichtig Nie falsch

 

Die Liebe kämpft nicht Die Liebe tötet nicht

 

Die Liebe verliert sich nicht

 

Die Liebe ist nie unerfüllt Nie hoffnungslos

 

Nie unerwidert

 

Die Liebe ist nicht mittelmäßig Die Liebe ist nicht bitter

 

Ist nicht hässlich Nicht feige

 

Die Liebe verspricht nicht Die Liebe ist nicht töricht

 

Die Liebe ist verzeihen Die Liebe ist sanft

 

Die Liebe ist stark

 

Die Liebe ist ohne Kompromiss Ist großzügig

 

Geduldig Verstehend

 

Langmütig

 

Die Liebe gehört niemandem Die Liebe ist frei

 

Die Liebe ist zeitlos Hört nicht auf zu sein

 

Die Liebe ist Sieger

(Text Stefan Birckmann)

 

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Kein Zacheies ohne Paul Imhoff

Paul und Agnes Imhoff präsentieren den "schönsten Mann Röttgens".
Paul und Agnes Imhoff präsentieren den "schönsten Mann Röttgens".

Kirmes im Rheinland steht für „Spaß an der Freud“! Während die Kinder auf den Karussells vor Vergnügen quietschen und sich an den Buden über ihre Gewinne freuen, schwingen die Großen im Festzelt das Tanzbein und amüsieren sich bei Kölsch, Rievkoche und Sauerbraten oder beim Klaaf mit Nachbarn und Freunden. Nur einem steht am Ende einer jeden Kirmes ein tragisches Schicksal bevor: dem Zacheies, Nubbel oder Paias, wie der Kirmesmann auch genannt wird. Ihm werden jedes Jahr aufs Neue die Sünden eines ganzen Dorfes aufgebürdet, für die er – wie es die Tradition verlangt- nach einem ordnungsgemäßen Prozess brennen muss. Das kurze Leben des Zacheies wirft unweigerlich die Frage nach seiner jährlichen Reinkarnation auf und führt auf direktem Weg zu Paul Imhoff.

 

Imhoff ist der „Vater“ der Röttgener Lumpenmänner. Seit sage und schreibe 35 Jahren sorgt er Jahr für Jahr für Nachschub. Die Kunst des Puppenmachens habe er sich selbst angeeignet, sagt der heute 80- Jährige. Nachdem sich Röttgens Junggesellenverein, der bis dahin für die Figur des Zacheies verantwortlich war, aufgelöst hatte, drohte die erste Kirmes ohne Strohpuppe. Undenkbar! –fand auch Imhoff. „Das wäre doch gelacht gewesen, wenn wir keinen Zacheies für die Kirmes zustande gebracht hätte“, erzählt er. Imhoff fackelte nicht lange und fertigte 1981 seinen ersten Lumpenmann. Seither ist er quasi Röttgens „amtlicher Kirmesmann-Designer“.

 

In diesem Jahr hatte Imhoff nur wenig Arbeit mit dem Zacheies. Denn –wir erinnern uns- der letzte Zacheies wurde in einem Sensationsprozess erstmalig freigesprochen und an seiner Statt der Lengsdorfer Kirmesmann für alle Vergehen dem Feuer übergeben. „Unser Zacheies hat in dem Jahr ein wenig an Spannkraft verloren, so musste ich ihn nur ein wenig mit Stroh aufpolstern. Ansonsten ist der Mann noch tipptopp in Schuss“, beteuert Imhoff.

 

In den letzten zwei Jahren erschuf Imhoff gemeinsam mit Dieter Schirra den schönsten Mann Röttgens. Zu zweit dauere es etwa zwei bis drei Stunden, um die lebensgroße Strohpuppe anzufertigen, die aus einem Holzkreuz sowie einem mit Stroh ausgestopften Maleranzug besteht, der alljährlich von Sybille Hecker gespendet wird, und zuletzt mit Hemd, schwarzem Anzug und buntem Schlips und festem Schuhwerk eingekleidet wird. Am kniffligsten sei die Gestaltung der Hände: „Da sitze ich auch schon mal mit Sacknadel und Faden, zurre alles ordentlich zusammen und nähe sie an die Ärmel an“, erzählt er. Und wie lange dauert es den Zachjeies alleine anzufertigen? „Na ja, so drei Wochen, je nach Lust und Laune“, antwortet Imhoff, „Aber eine Woche vor der Kirmes ist er fertig – immer!“

 

Nun ja, nach weit über 30 Jahren kennt der Rentner jeden Tick und jeden Kniff, den dieses Handwerk erfordert. Allerdings sucht er nach dem unerwarteten Tod Dieter Schirras erneut händeringend einen Lehrling, dem er sein Wissen weitergeben kann, sachlich fügt er hinzu: „Wer weiß wie lange ich das noch machen kann“.

 

Röttgens Kirmesmann - das Toppmodell unter allen Zacheiesen

Zurück zum Kirmesmann aus 2015. Was viele nicht wissen: Dieser Zacheies ist ein neuer Prototyp. Der Mann hat nämlich nicht wie all seine Vorgänger Stroh im melonenförmigen Kopf. Nein, mit seinem wohlgeformten Kunststoffkopf und den feinen Gesichtszügen ist er definitiv das Supermodel unter den Kirmesmännern in der gesamten Region. „Der Kopf stammt von einer Schaufensterpuppe“, erzählt Imhoff. Die Idee dazu hatte „Puppenmacher-Geselle“ Dieter Schirra, der ihn –woher auch immer -organisiert habe. Das Gesicht erhält der Zacheies schon seit Jahr und Tag von Hans-Josef Fabritius. „Er ist der Künstler unter uns und deshalb für das Aufmalen des Gesichtes verantwortlich“, so Imhoff. Und auch Imhoffs Frau, Agnes, legt hier und da Hand beim Bau der Puppe an. Sitzen Schlips oder Kappe schief, zupft und ruckt sie so lange daran herum, bis alles perfekt sitzt und der Mann der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Das freut natürlich die jeweils amtierende Maikönigin, die den Eröffnungstanz zu Beginn der Kirmes traditionsgemäß mit dem Zacheies absolviert. Wer tanzt schon gern mit einem unordentlichen Lumpenmann? Meist steckt der Röttgener Zacheies in einem schicken schwarzen Anzug mit Schlips und Kragen. „Einmal aber war er auch mit einem funkelnagelneuen Trachtenanzug und einem Tiroler-Hut auf dem Kopf bekleidet“, plaudert der Rentner, „Es hat mir in der Seele weh getan, als der verbrannt

wurde.“ Die Klamotten stammen von Freunden, Nachbarn und Verwandten. Früher auch aus Imhoffs eigenem Kleiderschrank. Auch mit seinen 80 Jahren ist Paul Imhoff noch ein großer, stattlicher Mann. Mit zunehmendem Alter wünschten sich die Maiköniginnen jedoch einen leichteren und handlicheren Tanzpartner. Kleinere Konfektionsgrößen mussten her; seitdem bleibt Imhoff auf seinen alten Anzügen sitzen.

 

Eine Schicksalsgemeinschaft

Aber auch sonst ist das Schicksal des Zacheies eng mit seinem eigenen verknüpft. Natürlich hält Imhoff während der Kirmestage ein wachsames Auge auf seine Schöpfung. Die Entführer lauern schließlich hinter jedem Stein und jeder Hecke. Vor allem in seinen jungen Jahren habe er großen Ehrgeiz in das diebstahlsichere Aufhängen und die Bewachung des Zacheies

gesteckt. „Da habe ich mich immer schrecklich aufgeregt, wenn der Kerl dann doch wieder geklaut worden war.“ Zwei Diebstähle sind ihm als besonders ärgerlich im Gedächtnis geblieben: „Stellen Sie sich vor“, sagt er, und die Entrüstung ist ihm noch heute –nach so vielen Jahren- deutlich anzumerken, „stellen Sie sich vor, da hat doch mein EIGENER Sohn den Zacheies geklaut!“ Und als ob das nicht schon schmählich genug gewesen wäre, hat er den Kirmesmann obendrein noch unter Paul Imhoffs eigenem Bett versteckt! Während Imhoff sich Nacht für Nacht den Kopf darüber zermarterte, wer der Dieb sein könnte und wohin dieser den Lumpenmann entführt haben mochte, hatten alle andern im Dorf ihren Spaß. „Denn, von den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr, des Festausschusses bis hin zu Nachbarn und Freunden waren nun wirklich alle im Ort eingeweiht, außer mir“, erzählt er lachend.

 

Das kratzt natürlich an der Ehre! So tüftelte Imhoff einen todsicheren Plan für die nächste Kirmes aus. Das rote Backsteinhaus vor dem ehemaligen katholischen Kindergarten schien ihm absolut diebstahlsicher. „Die Lage war perfekt. Das Haus stand genau am Festzelt. Einen belebteren, besser einsehbaren Platz konnte es einfach nicht geben.“ Mehr noch, über eine lange Leiter erklomm Imhoff den zweiten Stock, trieb einen dicken Nagel ins Mauerwerk und hängte den Zacheies weithin sichtbar auf. Siegessicher aber dennoch äußerst achtsam amüsiert er sich nach getaner Arbeit mit Nachbarn und Freunden auf der Kirmes, um dann in einem kurzen Moment der Ablenkung doch nicht mitzukriegen, wie sich die Entführer (unter denen sich auch ehrenwerte Mitglieder der hiesigen freiwilligen Feuerwehr befanden!) klammheimlich der Rückseite des Hauses näherten, von dort auf das Dach kletterten und den Zacheies mit einer langen Stange vom Haken fischten.

 

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass ganz gleich, wie ausgeklügelt ein Plan auch ist, es stets einen noch perfideren gibt, der den Kirmesmann seinem unausweichlichen Schicksal zuführt. Jedes Jahr von neuem wird er entführt, gegen eine Lösegeldforderung meist in Form mehrerer Kisten Bier eingelöst, verurteilt und verbrannt. Dennoch vor Überraschungen ist man auch hier nicht sicher, wie der Prozess im letzten Jahr gezeigt hat. Man darf also gespannt sein, was dem schönsten Mann Röttgens in diesem Jahr blühen mag!

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Noch ein Gedicht: "Zwische de Johre"

 

Et Zimmer rüch noh Tannejrön,

 de Kääze sin verbrannt.

 Om Sofa sitz de ahle Möhn

 Me‘m Streckstrump in d‘r Hand.

 

Drei Kugele am Baum kapott.

 D‘r Ühm verqualmp de Luff.

 De Mam säht:“ Dun ding Pief ens fott!

 Uns schöne Chressdachsstuff!“

 

 Däm Köbesje sing Schöckelpäd

 Es ald jet invalid.

 Et Lies, et Föttche an d‘r Ääd,

 lötsch jrad am Finsterkitt.

 

 Däm Schokolade-Zinter-Klos

 Fählt ald d‘r halve Kopp,

 un unsre Schäng sich, us ner Blos,

 höösch voll mit Printe stopp.

 

 Dä Pap loort en d‘r Äujelkess

 Dat Springe vun d‘r Schanz‘

 Un merk nit, dat dä kleine Chreß

 Sing Uhr „määt widder janz“.

 

 Et Drüggche singk: „Oh Tannenbaum!“

 Un schnigg janz lus un brav,

 vum Plattühm singem Mantelsaum

 e Stöck för‘t Kreppche av.

  

Et Liesje läuf me‘m Kammerpott

 Quer durch de lieserbahn.

 Dä Schäng bälk los: „Jank fott, do Krott!“

 Un fängk ze bauze an.

 

 

Dä Vatter floch: „No sid jitz stell!

 Söns jitt et hück noch Klöpp!

 Wann ich de Sportschau loore well…!“

 Jitz bellt och noch d´r Möpp.

 

Em Nervehus spillt wä Klaveer –

 E herrlich Stöck en Moll.

 De Mam söck wöödig jet Papeer.

 Däm Lies sing Botz is voll.

  

„Potz Zappermoot!“, dä Vatter säht

 Un jitt däm Chreß en Fimm.

 „Wat dä us mingem Ührche määt!?“

 Vum Kirchturm schleiht et „Bim“!

 

 Dä Ühm klopp flöck sing Pief jitz us

 Un röf: “Maach voran Möhn!

 Et es baal Aach, mer jon noh Hus,

 he is et nit mih schön!“

 

Dä Hungk hüült op, et Liesche krieht,

 dä Vatter bläut dat Klein.

 „Verflix noch ens un zojenieht!

 Ding Woll hängk öm ming Bein!“,

  

schängk jitz dä Ühm. Dann fällt hä hatt

 un sitz d’r Längde lang,

 met singer Fott dä Bahnhof platt

 un och dä Schinnestrang.

 

Jitz es de Chreßdachsrauh vorbei.

 De Mam kritt jriese Hoor,

 wie vun d’r Stang dä Papajei

 noch japsch: „Jo Pross Neujahr!“

 (Ott Valberg)

 


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Feiertagserfahrungen von und mit Hans Dieter Hüsch

 

Feiertage


Mutter ist nervös
Vater ist nervös
Kind ist nervös
Oma ist nervös

Oma ist gekommen
um Mutter zu helfen
Vater hat gesagt 
sei nicht nötig gewesen

Kind steht im Weg
Mutter steht im Weg
Oma steht im Weg
Vater steht im Weg

Alle ham geschafft
mit allerletzter Kraft

Vater hat gebadet
Mutter hat gebadet
Kind hat gebadet
Oma hat gebadet

Alle ham gepackt
Und alle sind gerannt
Und schließlich hat
Der Baum gebrannt

Mutter ist gerührt
Vater ist gerührt
Kind ist gerührt
Oma ist gerührt

Und dann werden
Die Pakete aufgeschnürt

Mutter ist gekränkt
Vater ist gekränkt
Kind ist gekränkt
Oma ist gekränkt

Denn jeder hat dem anderen
Was Falsches geschenkt

Schwiegertochter kommt
Patentante kommt
Lieblingsbruder kommt
Großneffe kommt

Kuchen ist zu süß
Plätzchen sind zu süß
Marzipan ist zu süß
Und der Baum ist mies

Mutter ist beleidigt
Vater ist beleidigt
Kind ist beleidigt
Oma ist beleidigt

Friede auf Erden
Und den Menschen ein Unbehagen

Vater hats am Magen
Mutter hats am Magen
Kind hats am Magen
Oma hats am Magen

Kann nichts mehr vertragen
Nach all diesen Tagen

Mutter ist allein
Vater ist allein
Kind ist allein
Oma ist allein
Alle sind allein

Doch an Ostern
Wollen alle
In jedem Falle
Wieder zusammensein.

 

( Hanns Dieter Hüsch )

 

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Geschichte einer Weihnachtspyramide

Es war einmal eine Weihnachtspyramide – nein, keine herkömmliche  aus dem Erzge-birge. Die Weihnachtspyramide, von der hier die Rede sein soll, stammt aus dem schönen Röttgen bei Bonn. Sie ist auch keine von jenen kleinen Pyramiden, wie sie auf heimischen Fensterbänken oder in etwas größerer Form als weihnachtliche Dekoration in Wohnzimmern vorkommen. Diese hier war mal eine richtige Dorfpyramide - stattliche 1,70 Meter hoch mit Lichtern, die in der Dunkelheit leuchteten. Jedermann (und natürlich jede Frau) –vor allem aber die Kinder- bestaunten und bewunderten sie, wenn sie in der Adventszeit ihren angestammten Platz einnahm. Dann wusste auch der Letzte , dass das Weihnachtsfest nicht mehr allzu fern war. Eines Tages jedoch erschien sie nicht mehr wie gewohnt am ersten Advent, niemand hatte sie gesehen und sie bleib verschollen…….Aber halt, eins nach dem anderen.

 

Eine rheinische Weihnachtspyramide entsteht

Erschaffen wurde unsere Weihnachtspyramide in der Heidegartenstraße. In vielen geduldigen Arbeitsschritten erwuchs sie nach und nach den geschickten Händen ihres Erbauers Peter Schumacher. Der hatte ein Faible für die Weihnachtspyramiden aus dem Erzgebirge: die fein geschnitzten Figuren, das stimmungsvolle, warme Licht, in deren Schein die beruhigende Drehbewegung der Flügelräder einem die schönsten Schattentänze an die Hauswand zaubert. Und so machte sich der Röttgener Hobbybastler daran, ein kleines Kunstwerk für sich und seine Familie zu bauen – eine Freilandpyramide als vorweihnacht-liches Schmuckstück für seinen Garten.

 

Zuerst zimmerte er ein stabiles Podest, auf dem ein dreistöckiges, sich nach oben verjüngendes Holzgestell emporragte. In stunden- ja wochenlanger Arbeit drechselte er ein robustes Gestell, das auch von einem ungestümen Winter mit Eis und Schnee nicht klein zu kriegen ist. Liebevoll verzierte der Heimwerker das Gestell mit unzähligen fein geschnitzten Rosenblüten und versah die Seitenteile einer jeden Etage mit sorgsam gefrästen Bordüren. Die Etagen seiner Pyramide sind Herberge für eine Krippe mit einem Hirten, der seine Schafe hütet und eines von ihnen auf seinen Armen trägt, die heiligen drei Könige, Maria, Joseph und das Kind, selbst Kuh und Esel hat Schumacher bei seinen Schnitzereien nicht vergessen. An oberster Stelle, gleich unter dem Flügelrad – im Himmel quasi (denn da gehören sie ja auch hin)- kreisen einige barocke (angezogene!) Engelchen. Ein Motor, im Podest der Pyramide versteckt, treibt die gesamte Konstruktion an und lässt zudem einige der schönsten Weihnachtslieder  erklingen.

 

Tradition mit tiefen Wurzeln

So reiht sich die Pyramide von Peter Schumacher ein in eine Tradition, deren Anfänge bereits im Mittelalter zu finden sind. Damals ging es darum, mit dem Buschbaum (das sind aufgehängte grüne Zweige) das Unheil der dunklen Zeit abzuwenden. Anderenorts versuchte man dies mit Hilfe der Kraft des Lichtes. Die Weihnachtspyramide vereint beide Bräuche und wurde so zum Symbol für die Weihnachtszeit. Im 18. Jahrhundert wurden die "Lichtergestelle" mit grünen Zweigen umwunden und bildeten die Urform der Peremett*.

 

Sang und klanglos ausrangiert

Viele Jahre fuhren Kaspar, Melchior und Balthasar gemeinsam mit den anderen Geschöpfen der Pyramide in Peter Schumachers Garten Karussell. Nach dessen Tod ging die Weihnachtspyramide in den Besitz der katholischen Kirche Christi Auferstehung über. Im Innenhof vor der Kirche erfreute sie zwei weitere Jahre zur Adventszeit die Kirchgänger mit ihrem Lichterglanz, der Musik und den bunten Figuren. Doch plötzlich geschah das Unerwartete: die Pyramide mitsamt ihrer Flügelräder drehte sich nicht mehr und auch die Musik blieb stumm. Schuld war ein Defekt des Motors und die Pyramide wurde von ihrem angestammten Platz in einen dunklen Keller verbannt. Unbeachtet harrte sie   hier mehrere Jahre lang aus, setzte Staub an und mehr und mehr Spinnweben breiteten sich zwischen Schafen und Jesuskind aus, bis sich Maren Taubert, eine Cousine von Erbauer Peter Schumacher, an das gute Stück erinnerte.

 

Ehepaar Taubert erweckte die Röttgener Weihnachtspyramide zu neuem Leben
Ehepaar Taubert erweckte die Röttgener Weihnachtspyramide zu neuem Leben

Wie Phoenix aus der Asche

„Die kannste han, die is kapott“, so die rheinisch-pragmatische Antwort auf ihre Nachfrage zum Verbleib der Weihnachts-pyramide. Nur allzu gern errettete Maren Taubert die vergessene Peremett aus ihrem Dornröschenschlaf, nahm sie mit nach Hause, wischte ihr den Staub aus den Ritzen und besserte kleine Mängel aus. Ihr Mann reparierte den Motor und hauchte dem Röttgener Unikat neues Leben ein. Seither erstrahlt und dreht sie sich jedes Jahr zur Adventszeit gut sichtbar im Vorgarten von Familie Taubert. Weil den Tauberts das Kunstwerk so gut gefiel und die Weihnachtspyramiden traditionsgemäß ein Symbol weihnachtlicher Vorfreude sind, beschlossen sie ihre Nachbarn und Freunde am ersten Adventswochenende zu einer großen Einweihungsparty einzuladen - mit viel Tam Tam, Glühwein, Gebäck, herzhaften Snacks und allem, was sonst noch dazu gehört. Vor vier Jahren war das. Seither versammelt sich die Gruppe alljährlich am ersten Advent um die 20 Jahre alte Pyramide herum. Dann singen sie Weihnachtslieder und freuen sich auf den Nikolaus**, der bei einem solchen Ereignis natürlich nicht fehlen darf.

 

Jeder Weihnachtspyramide wohnt die frohe Botschaft inne

Für Maren Taubert, ihre Nachbarn und Freunde ist dieses Fest jedoch mehr als eine willkommene Party. „Maren ist die beste Nachbarin, die man sich nur vorstellen kann“, sagt nicht nur eine der Nachbarinnen. „Wir alle achten aufeinander und respektieren unsere unterschiedliche Lebensart.“ Mit dem Pyramidenfest feiern sie ihre Gemeinschaft und das friedliche Miteinander, sagen sie –ein wunderbarer Brauch, mit dem  die Weihnachts-botschaft im echten Leben angekommen ist. Da sind  auch die traditionellen Weihnachts-pyramiden als Symbol  gemeinsam empfundener Freude am rechten Platz – seien sie nun aus dem Erzgebirge oder aus Röttgen.

 

*so werden die Pyramiden im Erzgebirge liebevoll genannt

**in dessen rotem Mantel und unter dem weißen Rauschebart verbirgt

sich Maren Tauberts Vater Franz Schmitz

 

Fotos von der Weihnachtspyramide und der Adventsfeier hier

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Durch Ort und Zeit unterwegs auf der Reichsstraße - Teil II

Weiter geht´s mit Renate Schmitz, die uns über die Reichsstraße durch den Röttgen und Zeit führt und dabei aus dem Nähkästchen plaudert. Mit Reiseleiterin Schmitz sind wir beim letzten Mal bis zur Ortsmitte gekommen. Hinter dem ehemaligen Pastoratshaus setzten wir unsere Tour in Richtung Ortsausgang nach Meckenheim fort.

Nächster Halt ist

 

Der Gemischtwarenhandel Schüren


Aus welcher Zeit diese Postkarte stammt war auf der Karte leider nicht mehr lesbar. Renate Schmitz schätzt aber, dass dieses Foto aus den 50er oder 60er Jahren stammt.

Rechts neben dem heutigen Friseursalon mit der orangenen Markise, konnten die Röttgener in ihrem „Kaufhaus“, dem Gemischtwarenladen Schüren, alles für den täglichen Bedarf einkaufen – vom Schnür-senkel über Waschpulver bis hin zum Brot. Ein beliebter Laden, der es sogar zum Postkartenmotiv geschafft hat.

 


Ein  typisch Rheinischer Vierseithof: Der Kaushof

Ihn gab es bis 1975: Den Kaushof. Die Aufnahme oben ist aus dem Jahr 1958!

Der Kaushof war ein klassischer Vierseithof, wie sie im Rheinland häufig gebaut wurden. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um eine Gebäudeform, bei der der landwirt-schaftliche Hof von allen vier Seiten von Gebäuden umschlossen ist. Der Hof wurde in den 70er Jahren bis auf die Grundmauern abgerissen. Heute befindet sich an der Stelle der Edeka. Ein kleines Relikt aus alten Tagen ist die Streuobstwiese hinter dem Edeka. Sie wird von

der Witterschlicker Allee und der Hubertus Allee umrahmt und gehörte einst zum Grund-besitz des Kaushofes, bevor sie in städtische Hand überging und der ehemalige Obst- und Gemüsegarten zur heutigen Dorfwiese wurde. 

Hier eine der letzten Auf-nahmen des Hofes. Zu sehen ist die Fronseite an der Reichs-straße. Das Foto stammt aus dem Jahr 1970.


Auch heute stehen an diesem Ort Lebensmittel im Mittelpunkt. Zwar werden sie hier nicht mehr produziert aber immerhin noch verkauft.

 

Einige Streuobstbäume sind geblieben, zwischen ihnen spielen Röttgener Kinder hin und wieder  Fußball.


Vis  à  vis des Kaushofes

Ein Foto mit Symbolcharakter:   die Lebensbedingungen in Röttgen vor 70 bis 80 Jahren .

 

Ein altes, dunkles Backsteinhaus (li.) stand vor vielen Jahren dort, wo sich heute dieses moderne und freundliche Gebäude an der Reichsstraße befindet. Anders als heute war das ursprüngliche Röttgen ein Ort, in dem einfache Menschen in bescheidenen Verhältnissen arbeiteten und lebten. Ob die beiden Frauen links jemals geglaubt hätten, dass auf den Trümmern ihres Hauses einmal ein Gebäude mit einem Kosmetikinstitut im Erdgeschoß errichtet würde?


Hoch die Tassen!  Im Gasthof Zur Herzogsfreude war immer was los

Klar, wie sollte es anders sein. Der Name des Gasthauses verrät Ortskundigen sogleich seine Lage: Mitten in Röttgen, dort, wo zu Clemens Augusts Zeiten Schloss Herzogsfreude stand, bot das Gasthaus „Zur Herzogsfreude“ noch bis in die 80er Jahre eine Einkehrmöglichkeit. Gleichzeitig diente es als Vereinslokal für zwei Fußballvereine hier in Röttgen: dem RWR und dem DJK. Und weit mehr als das, hier gab es sogar ein Kino. Jeden Mittwoch war Kinotag! Naja, also jetzt nicht so wie man sich ein Kino üblicherweise vorstellt, mit aufsteigenden Sitzreihen, gepolsterten Sesseln und großer Leinwand. Aber immerhin gab es einen Raum mit harten Holzstühlen (auf denen, laut Renate Schmitz, der Abend auch schon mal lang

werden konnte) und einem Projektor, der die Blog Buster der damaligen Zeit an die weiße Wand warf. Hans Albers, Trude Herr, Freddie Quinn und Heinz Rühmann sind nur einige, die hier ein und ausgingen – zumindest auf Zelluloid.

„Der Eintritt kostete eine D-Mark. Und im Winter, wenn es kalt war zusätzlich ein Brikett zum Heizen.“, erinnert sich Frau Schmitz bei unserem Spaziergang über die Reichsstraße.

Immerhin, mit Kohle wird an gleicher Stelle heute auch noch gehandelt, denn, wo früher der Gasthof „Zur Herzogsfreude“ zu finden war, residiert jetzt ...

 

         ... die Sparkasse KölnBonn

Blickt man von der Spar-kasse aus auf die andere Straßenseite und ca. 50 Jahre in der Zeit zurück, stellt man fest, dass Hunde hier noch alle Freiheiten beim Gassi gehen genießen konnten. Anstelle der Streu-obstwiese ist schon vor Jahren ein Mehrfamilien-haus-Komplex gerückt.



Die Schneiderei in Röttgen

Nur ein paar Meter weiter gelangt man zu diesem Haus. Hier wird selbst Renate Schmitz etwas spekulativ: „Also, ich weiß es nicht, aber man munkelt, dass dieses Haus mal ein Gefängnis gewesen ist. Ich selbst kann mich jedenfalls nicht daran erinnern“, sagt sie mit erhobenen Händen. Nun ja,

vielleicht weiß es ja jemand anderes? Wenn Sie´s genau wissen, nutzen Sie doch

das Kontaktformular und schreiben mir, vielleicht haben Sie ja auch noch ein Beweisfoto? Hier jedenfalls gibt es keins.

 

Die Bäckerei Gilgens

 Leider gibt auch hier kein Foto aus ver-gangenen Zeiten, aber genau hier beim Gilgens war der Verladeplatz der beiden Röttgener Tongruben. Hier wurde das Material, das die Loren aus den Gruben

heranschafften verladen und über ein weiteres Schienennetz die Flerzheimer

Allee entlang durch den Wald bis zum Bahnhof Kottenforst transportiert.

 

Von der alten Schmiede zum neuzeitlichen Ärztehaus

Es steht noch nicht allzu lange in Röttgen - das Ärztehaus. Eine auffällige Erscheinung: Modern, lichtdurchflutet und groß. Und früher?

1938 wurde hier eine Schmiede betrieben. Ochsen und Pferde wurden beschlagen, Pflug-schare geschärft und sonstige Schmiedearbeiten ausgeführt. Später verschwand die Schmiede zugunsten einer Tankstelle, die wiederrum machte um das Jahr 2010/11  Platz

für den Bau des Ärztehauses, das im Jahr 2013 fertiggestellt wurde. Dennoch, ganz weg ist die Schmiede von anno dazumal nicht. Neben dem Ärztehaus, von der Straße aus etwas nach hinten eingerückt existiert die alte Schmiede in Form einer modernen Kfz-Werkstatt weiter. Affinitäten dahin gehend zeichneten sich bereits in den 50er Jahren ab. Damals erlaubte der Schmied den Mitgliedern des Röttgener Motorradclubs, ihre Maschinen in der Schmiede zu tunen. Die 10 bis 15 Schrauber waren auch voll bei der Sache und trimmten ihre NSU, DKW oder die Zündapp auf Höchstform, bevor sie ihre Rennen durch Röttgen und Ückesdorf starteten. „Ja, da war was los im Dorf“, erzählt Renate Schmitz mit großen Augen. „Gestartet wurde Auf dem Kirchweg dann raus in Richtung Reichsstraße bis nach Ückesdorf von dort knatterten die Fahrer mit ihren Maschinen, mit und ohne Beiwagen, über die Hubertusstraße durch den Liebfrauenweg und durch die Hölle zurück nach Röttgen dann durch den Heidegartenweg und wieder von vorn. Fünf Runden dauerte ein Rennen. Beinahe das ganze Dorf versammelte sich an diesen Tagen an der Rennstrecke – sogar die Polizei guckte zu, obwohl diese Rennen offiziell gar nicht genehmigt waren.“ Andere Zeiten – andere Sitten.

 

Gäste sind hier seit jeher willkommen

Am Ortsausgang in Richtung Meckenheim kam man damals wie heute am Restaurant Kottenforst vorbei. Das Gasthaus ist seit Generationen in Familienbesitz. Geändert haben sich einzig das Outfit und die Nutzung. Früher war das Restaurant Kottenforst ein populärer Ausflugsort mit einer Gartenwirtschaft, in dem sich nicht nur die Mitglieder des Motorradclubs

regelmäßig trafen. Oft wurde hier auch zum Tanz aufgespielt.

Heute ist aus dem Restaurant ein Hotel Garni geworden, an dessen Rückseite immer noch ein wunderbarer Garten die Hotelgäste zum Erholen einlädt. Aus dem einst düstern Backsteingebäude ist nun ein helles,

modernes Gästehaus geworden, das übrigens immer noch „Kottenforst“ heißt.

 



Der Hof Hommelsheim, ein Aussiedlerhof weit ab vom Dorf

Hof Hommelsheim

  

Das Gehöft, das hier so weit außerhalb im freien Feld liegt, gibt es schon lange nicht mehr. Wer heute dort entlangfährt, befindet sich in den Straßen: Merler Allee, Birkenweg, Am Kottenforst oder Am alten Forsthaus.

 



Das alte Forsthaus

Seit Jahr und Tag schon ist das Alte Forsthaus das letzte Haus Röttgens, bevor die Reichs-straße als lange Allee schnurstracks in Richtung Meckenheim weiterführt. Das Gebäude ist

nach wie vor gut erhalten und nahezu unverändert. Das ehemalige Forsthaus befindet sich heute in Privatbesitz.

Gegründet wurde das Forstamt Kottenforst im Jahr 1817. Die Oberförsterei wurde 1934 zum staatlichen Forstamt. Mit der Schließung 1995 ging die Zuständigkeit über auf das Forstamt Bonn.

 

Kaum zu glauben aber wahr...

 

...einmal im Jahr wurde die Reichsstraße durch Röttgen zur Einbahnstraße erklärt. Anlass

waren die jährlichen Formel 1-Rennen am Nürnburg Ring. Die Autobahn gab es damals noch nicht und so wurde die Reichsstraße vormittags in Richtung Meckenheim zur Einbahnstraße erklärt und abends, nach Rennende, führte sie als Einbahnstraße zurück nach Bonn. „Dann gab es hier viel zu gucken“, berichtet Frau Schmitz. „ Wir haben dann oft im Gasthof Zur Herzogsfreude eine Limo –damals hieß die übrigens Zitsch- bestellt, uns an einen Tisch an der Straße gesetzt und den Autocorso beobachtet, der direkt an unserer Nase vorbei zum Nürnburg Ring fuhr. Und wer das Spektakel morgens verpasst hatte, hatte abends eine zweite Chance.“

 

...der Bundesmeister im Fähndelschwenken 1950 war ein Röttgener Jung und hieß Christian Kerp. Hier ein Foto von ihm aus dem Jahr 1950 in den Straßen Röttgens.


...Röttgen war einst Postkartenidyll! Grüße aus Röttgen wurden unter anderem mit diesen Karten verschickt. Schade eigentlich, dass heutzutage nur noch selten Postkarten verschickt werden. Röttgen jedenfalls würde nach wie vor hübsche Motive liefern. 



Durch Ort und Zeit unterwegs auf der Reichsstraße - Teil I & II finden sich hier

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Durch Ort und Zeit unterwegs auf der Reichsstraße

Teil I der Zeitreise

„Kinder wie die Zeit vergeht!“ – Wer kennt diesen Ausruf nicht? Schon als Kind bekam man diese Worte oft zu hören und mit fortschreitendem Alter kommen sie einem selbst immer wieder über die Lippen -häufig zusammen mit einem tiefen Seufzer sowie großer Verwunderung darüber wie schnell die Zeit vergeht und sich alles um einem herum verändert.  „Alles fließt, unterliegt dem Wandel der Zeit“, so formulierte es einst schon Heraklit (um 550 – 480 v. Chr.).

Die Zeit bringt aber nicht nur viele Veränderungen mit sich, sie radiert auch an den Erinnerungen und manchmal fragt man sich: „Wie war das eigentlich damals – vor 20, 30 oder 50 Jahren?“

Dieser Frage ist auch roettgen-online nachgegangen und hat sich mit einer Röttgenerin, die es wissen muss durch den Ort und die Zeit bewegt. Renate Schmitz bewahrt ihren Heimatort Röttgen sowohl im Herzen auf als auch auf schwarz weiß-Fotos aus vergangenen Tagen. Für roettgen-online öffnete sie ihr Fotoalbum und plauderte über alte Zeiten. Aus einer Schatzkiste voller Geschichten und Bildern haben wir uns eine Straße herausgesucht, die jeder hier kennt: Die Reichsstraße durch Röttgen. Unsere Sightseeing-Tour startete, von Ückesdorf aus kommend, hinter dem Kreisel am Ortseingang von Röttgen und endete am Ortsausgang in Richtung Meckenheim.

 

Der Tonabbau war einst mitbestimmend für Röttgens Ortsbild


Seit den 1920er Jahren bestimmte der Tonabbau das Röttgener Ortsbild maßgeblich mit. Die Tongruben lagen zwar nicht unmittelbar an der Reichsstraße, aber an ihr entlang erfolgte der Abtransport des Materials. So führte eine der Feldbahnen, von der alten Tongrube (heutiger Tennisplatz) aus kommend, nahe am Friedhof vorbei durch Röttgen hindurch über die Flerzheimer Allee bis zum Bahnhof Kottenforst. Auf dem Foto von 1936 erkennt man am linken Bildrand  einige Loren. In den 1960er Jahren hatte der Tonabbau in Röttgen seine Blütezeit, bis er in den 80erJahren endgültig eingestellt wurde. An die Zeit des intensiven Tonabbaus in Röttgen erinnert heute rein gar nichts mehr. Die letzten Loren rollten in den 1980er Jahren. Seitdem sind die Feldbahnen und Loren endgültig verschwunden. Einzig der idyllische Röttgener See, der als Renaturierungs-Maßnahme aus einer stillgelegten Tongrube entstand, erinnert an diesen harten Broterwerb.

 

Aussicht vom Wegkreuz


Unverändert und scheinbar von der Zeit unberührt steht es da, das Wegekreuz aus dem 18. Jahrhundert. Wie ein Wächter harrt es an der Kreuzung in Richtung Hobsweg aus. Die Aussicht vom Wegekreuz hat sich allerdings ein wenig verändert. Die Wiesen, links im Bild, mit dem Streuobstbestand sind schon lange großflächigen Mehrfamilienhäusern gewichen. Auch die Perspektive des damaligen Fotografen hinter dem Kreuz lässt sich nicht mehr

einnehmen, da dort dichte Sträucher wuchern.

 


 

 

 

Der Zahn der Zeit konnte -wie man sieht- auch dem Preußischen Meilenstein aus dem 19. Jahrhundert nichts anhaben. Wie eh und je steht er am Rande der Reichsstraße.

 


Gleich neben dem Preußischen Meilenstein, ein wenig zurückgezogen liegt, hinter einer mächtigen Kiefer, das ehemalige Haus des früheren Gemeindedieners Klemmer. „Ich habe zwar keine alte Fotografie hiervon, aber das Haus sieht, bis auf den roten Anstrich, immer noch so aus wie früher“, versichert Renate Schmitz und erklärt im Vorbeigehen, dass Gemeindediener Klemmer sowas wie der Nachrichtensprecher des Dorfes war. Einmal wöchentlich machte er sich mit seiner großen Glocke auf den Weg durch Röttgen, läutete die Anwohner zusammen und verkündete die neusten Nachrichten und Bekanntmachungen der Stadt Bonn. 1952 gab es zwar schon den General Anzeiger (Gründungsjahr 1889), aber nicht jeder Haushalt konnte sich ein Abo leisten.

 

Ein Erbe von Kurfürst Clemens August: Die ehemalige Gaststätte Stupp


Obwohl schon lange nichts mehr an Schloss Herzogsfreude und den kurfürstlichen Glanz erinnert, lässt ein Haus unweit des Ortseinganges die ehemalige Pracht erahnen: Das ehemalige Gasthaus Stupp. Das stattlich und sehr freundlich herausgeputzte Gebäude macht nach wie vor großen Eindruck. Erbaut wurde es  unter Kurfürst Clemens-August (1700 – 1761) für Heinrich Vaasen (1706 - 1778), der beim Fürsten in hoher Gnade stand. Deutlich später -nämlich Anfang des 19. Jahrhunderts- etablierte sich dort bis Mitte der 80er Jahre der Gasthof Stupp: Lange Zeit ein beliebter Treff für Jung und Alt. Auch heute noch ist das ehemals kurfürstliche Gebäude gut in Schuss. „Allerdings ist der einst so gesellige Gasthof heute kein öffentlicher Treffpunkt mehr“, bedauert Renate Schmitz. Schon seit vielen Jahren ist er im Privatbesitz und beherbergt eine Kunsthandlung sowie ein Antiquariat.

 

 

 

Gleich neben der grünen Toreinfahrt, die zum Hinterhof des ehemaligen Gasthauses Stupp führt, gab es einst den allerersten Lebensmittelladen in Röttgen, erzählt Frau Schmitz. Das große Fenster sei ein letztes Indiz hierfür.

 

 

 

 

Die alte Post

Hätten Sie´s gewusst? Die graue Maus auf dem Foto war mal eine Post. Hier trafen Briefe, Päckchen und Postkarten aus aller Welt ein und wurden umgekehrt von Röttgen aus in die Welt verschickt. Im Erker neben der Eingangstür war der Postschalter. Nichts erinnert heute noch an eine Poststation. „Ach“, sagt Frau Schmitz, “wirklich spektakulär war das Gebäude nie und bis heute ist es auch von der Fassade her fast gleich geblieben“. Das unscheinbare Einfamilienhaus ist heute unbewohnt.

 

Hätten Sie´s wiedererkannt?


Kaum zu glauben: Das Häuschen, das  heute so schmuck daherkommt, war einst Schandfleck von Röttgen.  1932 erbaut war das Haus früher Teil des weitaus größten Bauernhofes hier in Röttgen - dem Stemmer Hof, dessen Wirtschaftsgebäude sich entlang der Reichsstraße bis hin zum Hobsweg erstreckten. Das Einzige,. was aus dem verfallenen Bauernhof gerettet werden konnte, ist ein alter Deutz-Traktor, Baujahr 1954, luftgekühlt. Auch heute noch hat der Oldtimer seine regelmäßigen Auftritte in Röttgen. Und zwar als Zugmaschine bei den jährlichen Kirmes-Planwagenfahrten sowie im Karneval.   

Aktuell befindet sich in dem von Rund auf restaurierten Haus eine Zahnarztpraxis.


Das urige Fachwerkhaus war teil eines großen Bauernhofes


Von der Reichsstraße gut zu sehen, auf den ersten Metern der Dorfstraße steht das definitiv älteste Haus von ganz Röttgen. Das so liebevoll grundsanierte Fachwerkhaus war früher der Wohntrakt eines großen landwirtschaftlichen Betriebes, dessen weitere Gebäude sich bis zum Hobsweg erstreckten. Das Fachwerkhaus ist das Einzige, was von diesem einst so großen Hof übrig geblieben ist.

Bevor es zum Sitz einer Immobilienfirma wurde, konnte man hier noch lecker Essen gehen. Insbesondere zu Karneval platzte die damalige Kneipe namens „Alt Röttgen“ regelmäßig aus den Nähten, denn direkt vor den Fenstern konnten die Gäste den Röttgener Karnevalszug vorbeiziehen sehen.

 

 

Das Kriegerdenkmal unterlag bis heute nur wenigen Veränderungen; insbesondere die Stufen wurden im Lauf der Zeit umgebaut, wie das Foto von 1945, rechts zeigt.

„Röttgen hatte auch mal eine eigene Polizeistation. Hier ist sie.“, sagt Renate  Schmitz und zeigt auf das Gebäude gegenüber des Kriegerdenkmals (Foto rechts). Heute wird die ehemalige Polizeistation als Wohnhaus genutzt, und „sieht aus wie eh und je“, sagt sie. Ein Foto aus alten Zeiten gibt es nicht.

Für Recht und Ordnung wurde früher von diesem Haus aus gesorgt: Die ehemalige Polizeistation.



Lernen in Röttgen


Gleich neben dem Kriegerdenkmal befindet sich die Alte Schule. Heute ist das Backstein-gebäude weiß getüncht. Wo schon damals Kinder lernten, spielen heute die Kinder des Städtischen Kindergartens „Pusteblume“. Trotzdem, fleißig gepaukt wird auch heute noch in der alten Schule, nämlich von den Berufsschülerinnen und –schülern des Robert-Wetzlar Berufskollegs (RWK), das hier eine Außenstelle betreibt.

„Zu meiner Schulzeit gab es hier genau zwei Klassen, in der einen lernten die Kinder gemeinsam vom ersten bis zum vierten Schuljahr und in der anderen Klasse vom fünften bis zum achten Schuljahr“, erzählt Frau Schmitz. Unmittelbar neben der Schule wohnte der Lehrer.

 

Auch bei der St. Venantius-Kapelle hatte Kurfürst Clemens August die Hände im Spiel

Ein weiteres Erbe von Kurfürst Clemens August ist die Kapelle St. Venantius. Aus welcher Zeit das Foto oben stammt, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass das ursprüngliche Kapellchen mehrmals erweitert und vergrößert wurde.

Noch von Clemens August am 30. Oktober 1740 eingeweiht, war die Kapelle, mit einer Längsausdehnung von ca. 10 Schritten, deutlich kleiner und an der Eingangsseite vermutlich offen. An den viereckigen Raum schloss sich der Chor in Form eines halbierten Sechseckes an. Im Jahre 1866 wurde ein geräumiges Langschiff angebaut. 1936 wurde der Bau nochmals erweitert und erhielt einen neuen Dachreiter.

 

Hinter der Kapelle, erzählt Renate Schmitz, habe es zu ihrer Kindheit eine kleine hölzerne Hütte mit zwei Räumen gegeben. „In dem einen Raum war die Bücherei untergebracht und in dem größeren der beiden Räume stand eine Tischtennisplatte. Hier konnten wir Kinder spielen vor allem, wenn es draußen in Strömen regnete“, erinnert sie sich. Ein Tisch und Stühle gab es jedoch nicht für die Jugendlichen. „Das machte aber auch nichts“, winkt Renate Schmitz ab, “ Wir haben einfach beim nächsten Bauern nach ein paar Strohballen gefragt. Die waren sowieso gemütlicher als jeder harte Stuhl.“ So hatten die Teens von damals schnell einen Deal mit dem Bauern ausgehandelt: Sobald die Strohballen nach langer Nutzungsdauer aus der Form gerieten oder gar zerfielen, stopften sie das lose Stroh in einen Jutesack und brachten es dem Bauern als Einstreu für die Tiere zurück. Im Gegenzug gab es wieder formschöne, fest gebundene Strohballen als Sitzgelegenheit im Landhausstil. Ein Foto von der Hütte und ihrem Interieur existiert leider nicht in Renate Schmitz Fotoalbum.

 

Früher lebte der Pastor noch nah bei seiner Wirkungsstädte


Wie sollte es anders sein, neben St. Venantius befand sich früher das Pastorat. Viel verändert hat sich nicht: Weiße Gardinen in den Fenstern, dunkle Dachschindeln. Weichen mussten die hohen Bäume vor dem Haus und die dunklen Backsteinmauern erhielten im Lauf der Jahre ein weißes Kleid. Bevor in Röttgen die Alte Schule gebaut wurde, diente ein Raum des Pastorats als Klassenzimmer. Zum Vergleich: in der heutigen Schlossbachschule werden Kinder vom ersten bis zum vierten Schuljahr in jeweils drei Klassen unterrichtet. Rund 300 Schülerinnen und Schüler bevölkern das Schulgebäude im Herzogsfreudenweg.

Das ehemalige Pastorat ist auch heute noch bewohnt, allerdings nicht mehr vom Pastor, der ist schon vor langer Zeit ausgezogen. Auch hier hat sich viel verändert.

 

 

Hier endet der erste Teil unserer Zeitreise. Fortsetzung folgt...


Wenn auch Sie etwas aus längst vergangener Zeit über Ückesdorf und /oder Röttgen zu zeigen und zu erzählen haben, nutzen Sie gerne das Kontaktformular und schreiben Sie mir.

Weitere Fotos und Insider-Geschichten sind sehr willkommen, insbesondere auch aus Ückesdorf.

 

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Vom Tagelöhner zum Professor und einem großen Maler seiner Zeit

Die Lebensgeschichte des Röttgeners Hubert Maurer

Stefan Zimmermann, dessen Familie nachweislich über 400 Jahre in Röttgen verwurzelt ist, stellt seinen Lieblings-Röttgener vor und erzählt die Geschichte des Röttgener Malers Hubert Maurer (*10. Juni 1738 in Röttgen, + 10.12.1818 in Wien).

 

Hier ist er, mein Lieblings-Röttgener: Hubert Maurer.

Ein großer Künstler seiner Zeit, den heute leider kaum jemand mehr kennt. Dabei ist die Geschichte des Röttgeners ein American Dream aus dem 18. Jahrhundert. Seine Vita zeigt, wie Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft und Bildung, zu außerordentlichen Leistungen imstande sind. Und hier die Geschichte dazu:

Armut diktiert die ersten Lebensjahre

Als Sohn eines Tagelöhners wird Hubert Maurer am 10. Juni 1738 in der heutigen Dorfstraße in Röttgen geboren. Sein Vater stirbt bereits ein Jahr nach seiner Geburt, und so muss die Mutter sich selbst und den jungen Hubert mit schwerer Handarbeit ernähren. Bereits im Alter von sieben Jahren unterstützt Hubert seine Mutter erstmals, indem er mehrmals in der Woche Holz und Milch den weiten Weg in die Stadt nach Bonn trägt. Schulbildung erhält der

Junge keine. Armut und der tägliche Kampf um das Lebensnotwendigste bestimmen nicht

nur Maurers Kindheit zu jener Zeit.


Für viele Männer und ihre Familien ist es daher geradezu ein Segen, als Kurfürst Clemens August 1752 mit dem Bau des Jagdschlosses Herzogsfreude in Röttgen beginnt., denn der Kurfürst legt großen Wert darauf, die Einwohner Röttgens in sein Bauvorhaben einzubeziehen. Als Tagelöhner finden sie jetzt endlich eine geregelte Arbeit, die ihnen einen bescheidenen Verdienst garantiert. Auch Hubert Maurer tritt -mit gerade mal 14 Jahren- in den Dienst des Kurfürsten. Als Gehilfe der Bauleute muss er körperlich schwer arbeiten: tagein, tagaus schafft er Ziegelsteine und andere Baumaterialien mit dem Schiebkarren für den Schlossbau heran.

 



Auch das hält der Biograf, Johann Sattler, in seinen Aufzeichnungen fest: eine Zeichnung von Maurers Geburts-haus in Röttgen




Schicksalhafte Begegnung mit Kurfürst Clemens August

Glück im Unglück hat Maurer als kurz vor Beendigung des Rohbaus das Baugerüst einstürzt und ihn und einige andere Arbeiter mit in die Tiefe reißt. Maurer kommt mit einigen Arm- und Beinbrüchen davon. Clemens August lässt ihn und die anderen Verletzten von seinem Leibarzt behandeln und zahlt ihnen während der gesamten Krankheitsdauer den normalen Lohn. Eine großherzige Geste, die den Fürsten von einer eher unbekannten aber bemerkenswert fürsorglichen Seite zeigt. Ungekürzte Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall -wo gab es das damals schon?

 

Nach sechs Wochen rappelt Mauerer sich wieder auf und nimmt seine Arbeit am Schlossbau wieder auf. Als der Rohbau fertigstellt ist, wird er zum Handlanger des Hofstuckateurs Sturzenhöfer. Die kunstvollen Arbeiten dieses Mannes erwecken Maurers Interesse. Mit großem Eifer und viel Geschick zeichnet er dessen architektonische Pläne nach - und Maurers Talent bleibt nicht unentdeckt. Johann Georg Winter, Hofmaler Kaiser Karl VII., der sich derzeit ebenfalls im Dienst des Kurfürsten befindet, nimmt ihn bereitwillig unter seine

fachliche Obhut.

 

Der ehrgeizige Maurer lernt schnell und macht Fortschritte, so dass Winter ihn dem Kurfürsten Clemens August vorstellt. Der Kurfürst - ein großer Kunstliebhaber- befreit Maurer vom Wehrdienst und lässt seinem Hofmaler bereitwillig freie Hand bei der Förderung Maurers. Er gewährt ihm selbst einige Jahre später ein Reisestipendium nach Wien an die Kunstakademie.

 

 

Kaiserin Maria Theresia sitzt Maurer Modell

Der Siebenjährige Krieg bleibt jedoch nicht ohne Auswirkungen auf die Kölner Bucht und die Arbeiten am Schloss werden eingestellt. Gemeinsam mit seinem Lehrherrn geht der damals 21-jährige Mauerer nach München. Von dort reist er schließlich auf Empfehlung seines Mentors, 1762 nach Wien, wo er Gehilfe des bekannten Malers und Kapuzinerpaters Norbert

Baumgartner wird. Zeitgleich nimmt er dort ein Kunststudium an der Kaiserlich Königlichen Wiener Akademie auf. Auch an der Akademie -damals die größte und angesehenste Kunstschule Europas- zeigt der talentierte Maurer seine Kunstfertigkeit und erhält gleich mehrere Preise für seine Zeichnungen.

 

Sieben Jahre lang finanziert er sein Studium und seinen Lebensunterhalt über die An-Stellung bei Baumgartner. Für ihn fertigt er große Altarbilder an, die für zahlreiche Kirchen

in Ungarn bestimmt sind. Außerdem hält er sich mit Portraitzeichnungen für Freunde und Bekannte über Wasser. Seine Werke werden bald so populär, dass Auftragsarbeiten verschiedener Fürsten folgen. Einer seiner Auftraggeber und Förderer war Fürst Kaunitz. Über ihn erhält der Röttgener Kontakt zu Kaiser Joseph und Kaiserin Maria Theresia, die ihm sogar Modell sitzt. Das Portrait der Kaiserin, das für den russischen Hof in Petersburg bestimmt war, verschafft Mauerer den endgültigen Durchbruch und macht

ihn zu einem etablierten und gefragten Künstler.

 

Auf Fürsprache der Kaiserin erhält er wenig später ein Reisestipendium in die angesagte Kunstmetropole nach Rom. Hier lebt und arbeitet er fünf Jahre lang (1772 - 1776) und wird sogar zum Mitglied der römischen Akademie ernannt.

 

Erstaunlich ist, dass Maurer erst jetzt, mit 34 Jahren, aus einem Akt der Loyalität heraus Lesen und Schreiben lernt. Schließlich versprach er seinem einstigen Arbeitgeber Fürst Kaunitz bei der Abreise, ihn über seine Arbeit und seine Fortschritte auf dem Laufenden zu halten.

 

Zurück in Wien, erhält Mauerer den Auftrag, Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Joseph in Lebensgröße für die Universität Pavia zu malen.

Das hier ist ein Kunstdruck dieses Portraits von Kaiserin Maria Theresia. Es hängt im Flur meiner Praxis. Manchen Menschen ist das Bild zu düster und sie fühlen sich von den Blicken Kaiserin Theresias regelrecht verfolgt. Ich finde aber, vor allem Letzteres spricht für die Genialität des Malers und die Lebendigkeit des Bildes. Ich gehe davon aus, dass das Original farbig gemalt wurde.



Die frühen Antikennachzeichnungen Maurers entsprechen mit ihrem „weichen Stil“, ohne scharfe Konturen, noch ganz dem Geschmack des Spätbarock (1720-1780), markieren jedoch an der Wiener Akademie den Beginn des Frühklassizismus (1760-1820), der sich durch eine einfache und klare Formensprache auszeichnet.

 

Der Sohn eines Tagelöhners wird Professor

Die damalige „Prominenz“ hält viel von Maurers Arbeiten und so folgten zahlreiche Arbeiten für Adelige und hochgestellte Persönlichkeiten. 1785 ernennt Kaiser Joseph ihn sogar zum Professor der bildenden Künste für das Fach der historischen Anfangsgründe an der Kaiserlich-Königlichen Akademie in Wien. 32 Jahre lang bekleidet Maurer dieses Amt, bevor er am 10. Dezember 1818 im Alter von 81 Jahren stirbt.

 

Viel erreicht, aber nur wenig ist geblieben

Maurers große Liebe gehörte der monumentalen Altarbildmalerei. Die meisten dieser Werke waren für Kirchen im ungarischen Raum bestimmt. Eigene Recherchen ergaben, dass viele seiner Bilder aus Geldmangel weder restauriert noch sachgemäß aufbewahrt werden und zunehmend verfallen. Wer sich einige Altarbilder Maurers ansehen möchte, dem empfehle ich eine Reise nach Wien. In der Stiftskirche kann man das Altarbild „Gott Vater in den Wolken“ und in der Wiener Hofkapelle „Die mystische Vermählung der Heiligen Katharina“ bewundern. Ein Selbstbildnis Maurers (1788) befindet sich in der Galerie der Wiener Akademie.

 

Die Geschichte Hubert Maurers fasziniert mich so sehr, weil sie zeigt, dass im Leben nichts unmöglich ist. Beeinflusst durch seine schwierige Kindheit in Röttgen waren sein Leben und sein Handeln bis zum Schluss von Weisheit und Gutmütigkeit geprägt. Die Vorstellung, dass einige meiner Vorfahren ihn persönlich gekannt haben müssen, strahlt zusätzliche Faszination aus.


 


Hier ein Originalbrief Prof. Maurers, in dem er sich für einen seiner Schüler verwendet. Die Art und Weise wie er dies tut zeugt von einer ihm eigenen Bescheidenheit, die schon fast rührend ist.


Verarmt und vergessen

Sein Ende stimmt mich jedoch auch immer ein wenig traurig, denn trotz der großen Anzahl der von Mauerer ausgeführten Bilder, verstarb er in ärmlichen Verhältnissen, weil ein Großteil seiner Bilder unter dem Vorwand bestellt wurde, sie seien für arme Kirchen be-stimmt. Nur die Munificenz des österreichischen Hofes bewahrte den von Bilderhändlern um den wahren Verkaufswert betrogenen Künstler vor einem kummervollen Alter.

 

Leider erinnert in Röttgen nichts mehr an ihn. Der Versuch Professor Maurer im Röttgener Neubaugebiet durch einen Straßennamen ein angemessenes Andenken zu verschaffen, scheiterte im Herbst 2013 in der Bonner Bezirksvertretung.

 

Andenken an Maurer 197 Jahre nach seinem Tod

Dennoch gibt es Hoffnung für den einst so berühmten Sohn unseres Ortes. In meiner Praxis warten derzeit zwei Vitrinen darauf, mit historisch bedeutungsvollen Exponaten aus 

unserem Ort bestückt zu werden. Auch Hubert Maurer wird hier ein würdiges Andenken erhalten. Dank vieler engagierter, geschichtsinteressierter Bürger, sind unsere Bemühungen einen Heimatmuseumsverein zu gründen, weit fortgeschritten. Unser Traum und Fernziel ist,

die Einrichtung eines Heimatkundemuseums hier in Röttgen, denn Röttgen ist auch weit über Maurer hinaus ein geschichtsträchtiger Ort.

 

Einige Links zu einer kleinen Auswahl von Maurers Werken:

Salzburg Museum

Hubert Maurer - Wikipedia

commons.wikimedia.org

artnet.com

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