Männer und Ballett ist wie Comedy und Schwanensee

Seit 20 Jahren präsentieren Bodo und die Ballermänner Männerballett vom Feinsten

Wer hätte das gedacht? – Aus einem Ulk wird eine Institution, die auch weit über die Grenzen Röttgens hinaus bekannt ist, und das schon seit 20 Jahren. Die Rede ist vom Röttgener Männerballett „Bodo und die Ballermänner“. Die Männer in Frauenkleidern sind auf jeder Sitzung ein Renner und erobern insbesondere die Herzen der Damen im Sturm. Und das nicht nur, weil die Herren in Damenstrümpfen und ihren bunten Kleidern einfach lecker anzusehen sind, sondern auch weil sie Jahr für Jahr ein tänzerisch und akrobatisch anspruchsvolles Programm auf die Bühne bringen.

 

Aus Jux und Dollerei tanzen drei Männer als ´alte Kameraden´ vor mehr als 20 Jahren beim Vereinsfest der Röttgener Prinzengarde Weiß-Rot. „Wir haben unter der Bank gelegen vor Lachen“, erinnert sich Annemarie Esser noch genau an die –im wahrsten Sinne des Wortes- umwerfende erste Performance der Männer. Angespornt von so viel Zuspruch und dem Vorbild der Frauen, deren Tanzgruppe ´Knöddelsfööß´ schon seit Jahren im Karneval auftraten, sagten sich die Männer: „Was die Frauen können, können wir auch.“ 1996 war es schließlich soweit: eine Handvoll jecker Vereinsmitglieder aus der Prinzengarde gründeten Röttgens einzigartiges Männerballett ´Bodo und die Ballermänner´. Seither erfreut sich das Ballett wachsender Beliebtheit und tritt während der Session in und rund um Bonn auf.

 

Stimmungskanonen auch außerhalb der Karnevalsession

Auch außerhalb der Karnevalszeit kommt die aktuell elfköpfige Truppe gut an. „Wir haben schon so ziemlich überall getanzt. Auf Geburtstagen, Hochzeiten, Scheidungspartys, Betriebsfesten, Jubiläen aller Art, Polterabenden und Weihnachtsfeiern“, erzählt Willi Juchem, Gründungsmitglied desMännerballetts und 1. Vorsitzender derPrinzengarde Weiß-Rot-Röttgen e.V. , zu deren Tanzgruppen auch Bodo und die Ballermänner gehören. „Lediglich auf Beerdigungen sind wir noch nichtaufgetreten.“ Besonders gern erinnern sich Juchem und auch Udo Lenz, der ebenfalls von Anfang an dabei ist, an den Auftritt bei einer Schwulenhochzeit. „Das war eine unbeschreiblich schöne und einzigartige Stimmung, wie wir sie noch nie erlebt haben. Aber natürlich sind auch Mädchensitzungen und Auftritte in rappelvollen Kneipen oder Festzelten immer wieder toll. Wenn die Leute sich auf den Spaß einlassen, mitsingen und jubeln ist das für uns einfach großartig“, sind sich die beiden einig.

 

Während Udo Lenz noch aktiv das Tanzbein in der Männerformation schwingt, hat Juchem sich seit ca. zwei Jahren auf die Moderation der Auftritte verlegt. Immer einen flotten Spruch auf den Lippen spielt er seine Qualitäten als Entertainer und Frontmann der Truppe aus. „Ich kann zwar leider nicht mehr mittanzen –die Knie, sie wissen schon- aber der direkte Kontakt und das Spiel mit dem Publikum machen auch unglaublich viel Spaß.“ So ist und bleibt Juchem  fester Bestandteil des Balletts, in dem vom Dachdecker bis zum Professor alles zu finden ist.

 

Eine Gleichung die aufgeht:

Kreative Kostüme + ausgefeilte Choreografien = anspruchsvolles, erfolgreiches Ballett

Ob als Stewardessen, Zigeunerinnen, Funkenmariechen, Hawaimädchen oder im rosa Mini-Kleidchen -die Männer begeistern in jedem Outfit mit ausgefeilten Choreografien. Nicht umsonst haben Bodo und die Ballermänner bereits zahlreiche Preise bei Turnieren und Stadtmeisterschaften gewonnen. Zuletzt 2010 beim 6. Wachtberger Männerballett Festival. Dort wurden sie Gesamtsieger und belegten darüber hinaus den zweiten Platz in der Kategorie „Karnevalistische Einlagen“. Der karnevalistische Aspekt ist den Männern bei all ihren Auftritten ganz besonders wichtig. „Unsere Kostüme und die Art zu Tanzen haben nichts frivoles oder unanständiges“, betont Willi Juchem.

Seit 12 Jahren trainiert sie die Männer und denkt sich immer neue Choreografien aus: Michaela Bartz
Seit 12 Jahren trainiert sie die Männer und denkt sich immer neue Choreografien aus: Michaela Bartz

Neben den Männern selbst achtet Trainerin Michaela Bartz auf das Niveau der Tanzshow. Seit 2005 denkt sie sich jährlich neue Choreografien aus, sucht nach passender Musik und hält die Akteure fit. Trainiert wird einmal pro Woche für 1,5 Stunden. „In der Zeit macht die Frau 10 bis 11 Männer platt“, lacht Juchem. Das Training sei nicht nur schweißtreibend, sondern auch was fürs Köpfchen, so die Trainerin: „Neben einer gewissen Grundfitness müssen die Tänzer Aufstellung, Schrittfolgen und Hebefiguren erlernen, ihre Arm- und Beinarbeit koordinieren, an ihrem Gang arbeiten und dabei noch ein freundliches Gesicht machen. “ Eine sportliche Herausforderung, die eine gute Portion Ehrgeiz und Biss verlangt, bei der aber trotz allem immer der Spaßfaktor überwiegt.

 

Das Besondere am Männerballett sei das Gemeinschaftsgefühl und der enorme Zusammenhalt der Männer untereinander, so Michaela Bartz, die seit ihrem dritten Lebensjahr tanzt und auch als Cheerleaderin viele Jahre lang aktiv war.  Als waschechte Rheinländerin weiß sie zudem auch um die traditionelle Rolle des Männerballetts im Karneval: „Denn ursprünglich war der Karneval ja eine reine Männerdomäne, in der die Frauenrollen ganz selbstverständlich von Männern übernommen wurden.“ Und das machen Bodo und die Ballermänner so gut, dass sie 2013 sogar in der „Lokalzeit Bonn“ zu sehen waren. Der WDR schickte ein Fernsehteam für eine Live-Übertragung des Trainings in die Sporthalle des Helmholtz-Gymnasiums nach Duisdorf. „So viel öffentliche Aufmerksamkeit zählt zweifelsohne zu einem unserer Highlights“ sagen Juchem und Lenz mit Stolz.

Männerballett - ein Hobby für echte Kerle

Eins ist auf jeden Fall mal sicher: ein Männerballett ist nichts für Angsthasen. Hebefiguren und Wurfelemente erfordern neben Konzentration und Mut, eine große Portion Vertrauen in die Kollegen und vor allem die richtige Technik erklärt Willi Juchem. Weitere Herausforderungen liegen im Ankleiden und Schminken. Udo Lenz erinnert sich noch genau an seinen ersten Auftritt. Wie mühsam das Überstreifen der Strumpfhose war, wie sehr der BH zwickte und an die unzähligen Versuche, die er benötigte, um die falschen Wimpern aufzukleben. „Ich hab eine halbe Ewigkeit gebraucht bis ich für den Auftritt parat war. Ja, die Frauen haben´s schon nicht leicht“, gibt er lachend zu. So werden zumindest in der fünften Jahreszeit aus unerschrockenen Männern echte Frauenversteher. Auch dazu muss Man(n) stehen.

 

Rund 25 bis 30 Auftritte absolviert die Truppe in einem Jahr, ein Drittel davon in der Karnevalszeit vom 11.11. bis Aschermittwoch. Ein ordentliches Pensum für die Hobbytänzer , deren Durchschnittalter bei immerhin 53 Jahren liegt. Sogar erste Termine für das Jahr 2018 seien bereits vergeben, so Willi Juchem.

 

Für die nächsten 20 Jahre wünscht sich Frontmann Juchem das Fortbestehen des Balletts mit karnevalistisch hohem Anspruch und weiteren jecken Mittänzern. Wer sich also nicht vor harten Trainingseinheiten, kurzen Röcken und falschen Wimpern fürchtet, ist in dieser munteren Truppe genau richtig und jederzeit als Verstärkung willkommen.

 

Trainingszeiten sind immer dienstags von 19.45 – 22 Uhr im Helmholzgymnasium Bonn.

Weitere Informationen zum Ballett und erste Kontaktaufnahme unter

www.bodo-und-die-ballermaenner.de

 

Und weil Fotos mehr als tausend Worte sagen, gibt es hier Bilder vom Auftritt beim Vereinsfest sowie vom Training.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0