Vom Tagelöhner zum Professor und einem großen Maler seiner Zeit

Die Lebensgeschichte des Röttgeners Hubert Maurer

Stefan Zimmermann, dessen Familie nachweislich über 400 Jahre in Röttgen verwurzelt ist, stellt seinen Lieblings-Röttgener vor und erzählt die Geschichte des Röttgener Malers Hubert Maurer (*10. Juni 1738 in Röttgen, + 10.12.1818 in Wien).

 

Hier ist er, mein Lieblings-Röttgener: Hubert Maurer.

Ein großer Künstler seiner Zeit, den heute leider kaum jemand mehr kennt. Dabei ist die Geschichte des Röttgeners ein American Dream aus dem 18. Jahrhundert. Seine Vita zeigt, wie Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft und Bildung, zu außerordentlichen Leistungen imstande sind. Und hier die Geschichte dazu:

Armut diktiert die ersten Lebensjahre

Als Sohn eines Tagelöhners wird Hubert Maurer am 10. Juni 1738 in der heutigen Dorfstraße in Röttgen geboren. Sein Vater stirbt bereits ein Jahr nach seiner Geburt, und so muss die Mutter sich selbst und den jungen Hubert mit schwerer Handarbeit ernähren. Bereits im Alter von sieben Jahren unterstützt Hubert seine Mutter erstmals, indem er mehrmals in der Woche Holz und Milch den weiten Weg in die Stadt nach Bonn trägt. Schulbildung erhält der

Junge keine. Armut und der tägliche Kampf um das Lebensnotwendigste bestimmen nicht

nur Maurers Kindheit zu jener Zeit.


Für viele Männer und ihre Familien ist es daher geradezu ein Segen, als Kurfürst Clemens August 1752 mit dem Bau des Jagdschlosses Herzogsfreude in Röttgen beginnt., denn der Kurfürst legt großen Wert darauf, die Einwohner Röttgens in sein Bauvorhaben einzubeziehen. Als Tagelöhner finden sie jetzt endlich eine geregelte Arbeit, die ihnen einen bescheidenen Verdienst garantiert. Auch Hubert Maurer tritt -mit gerade mal 14 Jahren- in den Dienst des Kurfürsten. Als Gehilfe der Bauleute muss er körperlich schwer arbeiten: tagein, tagaus schafft er Ziegelsteine und andere Baumaterialien mit dem Schiebkarren für den Schlossbau heran.

 



Auch das hält der Biograf, Johann Sattler, in seinen Aufzeichnungen fest: eine Zeichnung von Maurers Geburts-haus in Röttgen




Schicksalhafte Begegnung mit Kurfürst Clemens August

Glück im Unglück hat Maurer als kurz vor Beendigung des Rohbaus das Baugerüst einstürzt und ihn und einige andere Arbeiter mit in die Tiefe reißt. Maurer kommt mit einigen Arm- und Beinbrüchen davon. Clemens August lässt ihn und die anderen Verletzten von seinem Leibarzt behandeln und zahlt ihnen während der gesamten Krankheitsdauer den normalen Lohn. Eine großherzige Geste, die den Fürsten von einer eher unbekannten aber bemerkenswert fürsorglichen Seite zeigt. Ungekürzte Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall -wo gab es das damals schon?

 

Nach sechs Wochen rappelt Mauerer sich wieder auf und nimmt seine Arbeit am Schlossbau wieder auf. Als der Rohbau fertigstellt ist, wird er zum Handlanger des Hofstuckateurs Sturzenhöfer. Die kunstvollen Arbeiten dieses Mannes erwecken Maurers Interesse. Mit großem Eifer und viel Geschick zeichnet er dessen architektonische Pläne nach - und Maurers Talent bleibt nicht unentdeckt. Johann Georg Winter, Hofmaler Kaiser Karl VII., der sich derzeit ebenfalls im Dienst des Kurfürsten befindet, nimmt ihn bereitwillig unter seine

fachliche Obhut.

 

Der ehrgeizige Maurer lernt schnell und macht Fortschritte, so dass Winter ihn dem Kurfürsten Clemens August vorstellt. Der Kurfürst - ein großer Kunstliebhaber- befreit Maurer vom Wehrdienst und lässt seinem Hofmaler bereitwillig freie Hand bei der Förderung Maurers. Er gewährt ihm selbst einige Jahre später ein Reisestipendium nach Wien an die Kunstakademie.

 

 

Kaiserin Maria Theresia sitzt Maurer Modell

Der Siebenjährige Krieg bleibt jedoch nicht ohne Auswirkungen auf die Kölner Bucht und die Arbeiten am Schloss werden eingestellt. Gemeinsam mit seinem Lehrherrn geht der damals 21-jährige Mauerer nach München. Von dort reist er schließlich auf Empfehlung seines Mentors, 1762 nach Wien, wo er Gehilfe des bekannten Malers und Kapuzinerpaters Norbert

Baumgartner wird. Zeitgleich nimmt er dort ein Kunststudium an der Kaiserlich Königlichen Wiener Akademie auf. Auch an der Akademie -damals die größte und angesehenste Kunstschule Europas- zeigt der talentierte Maurer seine Kunstfertigkeit und erhält gleich mehrere Preise für seine Zeichnungen.

 

Sieben Jahre lang finanziert er sein Studium und seinen Lebensunterhalt über die An-Stellung bei Baumgartner. Für ihn fertigt er große Altarbilder an, die für zahlreiche Kirchen

in Ungarn bestimmt sind. Außerdem hält er sich mit Portraitzeichnungen für Freunde und Bekannte über Wasser. Seine Werke werden bald so populär, dass Auftragsarbeiten verschiedener Fürsten folgen. Einer seiner Auftraggeber und Förderer war Fürst Kaunitz. Über ihn erhält der Röttgener Kontakt zu Kaiser Joseph und Kaiserin Maria Theresia, die ihm sogar Modell sitzt. Das Portrait der Kaiserin, das für den russischen Hof in Petersburg bestimmt war, verschafft Mauerer den endgültigen Durchbruch und macht

ihn zu einem etablierten und gefragten Künstler.

 

Auf Fürsprache der Kaiserin erhält er wenig später ein Reisestipendium in die angesagte Kunstmetropole nach Rom. Hier lebt und arbeitet er fünf Jahre lang (1772 - 1776) und wird sogar zum Mitglied der römischen Akademie ernannt.

 

Erstaunlich ist, dass Maurer erst jetzt, mit 34 Jahren, aus einem Akt der Loyalität heraus Lesen und Schreiben lernt. Schließlich versprach er seinem einstigen Arbeitgeber Fürst Kaunitz bei der Abreise, ihn über seine Arbeit und seine Fortschritte auf dem Laufenden zu halten.

 

Zurück in Wien, erhält Mauerer den Auftrag, Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Joseph in Lebensgröße für die Universität Pavia zu malen.

Das hier ist ein Kunstdruck dieses Portraits von Kaiserin Maria Theresia. Es hängt im Flur meiner Praxis. Manchen Menschen ist das Bild zu düster und sie fühlen sich von den Blicken Kaiserin Theresias regelrecht verfolgt. Ich finde aber, vor allem Letzteres spricht für die Genialität des Malers und die Lebendigkeit des Bildes. Ich gehe davon aus, dass das Original farbig gemalt wurde.



Die frühen Antikennachzeichnungen Maurers entsprechen mit ihrem „weichen Stil“, ohne scharfe Konturen, noch ganz dem Geschmack des Spätbarock (1720-1780), markieren jedoch an der Wiener Akademie den Beginn des Frühklassizismus (1760-1820), der sich durch eine einfache und klare Formensprache auszeichnet.

 

Der Sohn eines Tagelöhners wird Professor

Die damalige „Prominenz“ hält viel von Maurers Arbeiten und so folgten zahlreiche Arbeiten für Adelige und hochgestellte Persönlichkeiten. 1785 ernennt Kaiser Joseph ihn sogar zum Professor der bildenden Künste für das Fach der historischen Anfangsgründe an der Kaiserlich-Königlichen Akademie in Wien. 32 Jahre lang bekleidet Maurer dieses Amt, bevor er am 10. Dezember 1818 im Alter von 81 Jahren stirbt.

 

Viel erreicht, aber nur wenig ist geblieben

Maurers große Liebe gehörte der monumentalen Altarbildmalerei. Die meisten dieser Werke waren für Kirchen im ungarischen Raum bestimmt. Eigene Recherchen ergaben, dass viele seiner Bilder aus Geldmangel weder restauriert noch sachgemäß aufbewahrt werden und zunehmend verfallen. Wer sich einige Altarbilder Maurers ansehen möchte, dem empfehle ich eine Reise nach Wien. In der Stiftskirche kann man das Altarbild „Gott Vater in den Wolken“ und in der Wiener Hofkapelle „Die mystische Vermählung der Heiligen Katharina“ bewundern. Ein Selbstbildnis Maurers (1788) befindet sich in der Galerie der Wiener Akademie.

 

Die Geschichte Hubert Maurers fasziniert mich so sehr, weil sie zeigt, dass im Leben nichts unmöglich ist. Beeinflusst durch seine schwierige Kindheit in Röttgen waren sein Leben und sein Handeln bis zum Schluss von Weisheit und Gutmütigkeit geprägt. Die Vorstellung, dass einige meiner Vorfahren ihn persönlich gekannt haben müssen, strahlt zusätzliche Faszination aus.


 


Hier ein Originalbrief Prof. Maurers, in dem er sich für einen seiner Schüler verwendet. Die Art und Weise wie er dies tut zeugt von einer ihm eigenen Bescheidenheit, die schon fast rührend ist.


Verarmt und vergessen

Sein Ende stimmt mich jedoch auch immer ein wenig traurig, denn trotz der großen Anzahl der von Mauerer ausgeführten Bilder, verstarb er in ärmlichen Verhältnissen, weil ein Großteil seiner Bilder unter dem Vorwand bestellt wurde, sie seien für arme Kirchen be-stimmt. Nur die Munificenz des österreichischen Hofes bewahrte den von Bilderhändlern um den wahren Verkaufswert betrogenen Künstler vor einem kummervollen Alter.

 

Leider erinnert in Röttgen nichts mehr an ihn. Der Versuch Professor Maurer im Röttgener Neubaugebiet durch einen Straßennamen ein angemessenes Andenken zu verschaffen, scheiterte im Herbst 2013 in der Bonner Bezirksvertretung.

 

Andenken an Maurer 197 Jahre nach seinem Tod

Dennoch gibt es Hoffnung für den einst so berühmten Sohn unseres Ortes. In meiner Praxis warten derzeit zwei Vitrinen darauf, mit historisch bedeutungsvollen Exponaten aus 

unserem Ort bestückt zu werden. Auch Hubert Maurer wird hier ein würdiges Andenken erhalten. Dank vieler engagierter, geschichtsinteressierter Bürger, sind unsere Bemühungen einen Heimatmuseumsverein zu gründen, weit fortgeschritten. Unser Traum und Fernziel ist,

die Einrichtung eines Heimatkundemuseums hier in Röttgen, denn Röttgen ist auch weit über Maurer hinaus ein geschichtsträchtiger Ort.

 

Einige Links zu einer kleinen Auswahl von Maurers Werken:

Salzburg Museum

Hubert Maurer - Wikipedia

commons.wikimedia.org

artnet.com

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Kommentare: 1
  • #1

    Dr.Heinz König (Montag, 26 März 2018 16:29)

    Nur eine kleine Anmerkung:Johann Michael Sattler (1786 - 1847) -unser Ur.Ur.-Ur-Großvater ,bekannt u.a. durch das riesige Panorama der Stadt Salzburg ,zu sehen im Salzburger Panoramamuseum,war nicht nur dankbarer Schüler und Freund Prof.Maurers,sondern auch dessen "Schwiegersohn" und Erbe zahlreicher Gemälde.Schwiegersohn deshalb unter Anführungszeichen, weil Maria Anna geb.Kittenberger ( 1788-1859)oo Wien 8.5.1816 Johann Michael Sattler "nur" Hubert Maurers Ziehtochter war. Sie war die Tochter eines Müllers aus der nahen Wachau.Wie er zu diesem ,seinen Pflegekind kam ist uns leider nicht überliefert.In der Familie Sattler-sowohl im Medizinerzweig als auch im Malerzweig- lebte jedenfalls die Dankbarkeit an den frühen Förderer von Johann Michael Sattler durch traditionelle Weitergabe des Vornamens "Hubert" noch viele Generationen weiter.

    MbG aus Wien